In welcher Form ist der deutsche Spätburgunder, lautet die Frage des dreizehn°-Teams, als Ende Oktober diesen Jahres auf der Praterinsel in München die Publikumsmesse WeinHerbst 2011 stattfindet. Untenstehend die Liste der Weingüter, deren Spätburgunderrotweine ich verkostete. Jedes Weingut und seine Weine werden demnächst in einem eigenen Eintrag vorgestellt:

Weingut Kalkbödele Gebr. Mathis (Baden), Weingut Friedhelm Rinklin (Baden), Weingut Düringer Trottenhof (Baden), Weingut Kühling (Rheinhessen), Weingut Mehl (Rheingau)


So solide wie seine Weine: Kalbödeles Kellermeister Martin Schärli

Vor etwa vier Jahren probierte ich die Kalkbödele-Weine erstmalig. Damals fand die Veranstaltung noch in einigen Räumen der Alten Residenz in München statt, nicht wie heuer auf der Praterinsel. Bereits zu jener Zeit hoben sich die Kalkbödele-Weine aus dem Gros der von mir verkosteten deutschen Spätburgunder ab.

Auch diesmal betreute Herr Martin Schärli, Betriebsleiter und Kellermeister des Weinguts den Probierstand, so dass ich stets prompte und verlässliche Antworten erhielt. Der Spätburgunder nimmt etwa 60 Prozent der 16 Hektar Anbaufläche ein, die im Weingut bewirtschaftet werden. Alle Weine, auch die weißen, werden aus Trauben gekeltert, die in der Lage Merdinger Bühl wachsen. Sie gehört zum badischen Weinbaubereich Tuniberg.

Herr Schärli ist Schweizer, seit zehn Jahren arbeitet er für das Weingut. Als bekennender Rieslingfan verzichtet er bei den Weißweinen auf den biologischen Säureabbau, weshalb er auch wenig Freude an Schweizer Weißweinen findet, bei denen dies die Regel ist.

Für die Rotweinbereitung sind Maischegärung und Holzfassausbau üblich. Die Weine sind stets durchgegoren, selbst die Literqualität ist international trocken. Ich koste:

2009, Merdinger Bühl, Spätburgunder Alte Reben, Qualitätswein trocken, Weingut Kalkbödele (8,90 €)

Der Wein stammt aus Rebanlagen, die älter als 30 Jahre sind, und wird für ein Jahr im großen Holzfass ausgebaut. Frische und reife Frucht im Bukett, etwas rote Beeren und Kirsche, Röstnoten. Am Gaumen trocken, spürbare Säure, schlanker Körper, fester Gerbstoff, gute Länge, leicht wärmender Abgang.

Insgesamt für den Preis ein handwerklich sehr solide vinfizierter Wein. Jetzt gut trinkbar, hat aber durchaus noch Potential für etwas Flaschenreife.

2008, Merdinger Bühl, Spätburgunder Barrique, Qualitätswein trocken, Weingut Kalkbödele (11,20 €)

Ertragsreduziert auf ca. 56 hl/ha und für 15 Monate im gebrauchten Barrique ausgebaut.   Etwas Erdbeere, mehr Kirsche und rote Johannisbeere. Frische Frucht, deutliche Röstnoten. Die Klarheit der Frucht wird aber von den Röstnoten nicht behindert. Am Gaumen trocken, spürbare und saftige Säure, guter Druck am Gaumen, frische Eleganz,  präsenter fester Gerbstoff, gute bis sehr gute Länge.

2007, Merdinger Bühl, Spätburgunder „K“ Barrique, Qualitätswein trocken, Weingut Kalkbödele (18,50)

Das K im Namen bezieht sich auf den Weingutsnamen Kalkbödele, der sich wiederum aus dem hier vorherrschenden Bodentyp ableitet. Die Trauben für den K stammen aus einer einzelnen Parzelle innerhalb der Lage Merdinger Bühl, die im Weingut „Auf der Wart“ heißt, nach dem alten Flurnamen. Die Parzelle ist nach Westen ausgerichtet, was eine langsamere Reifeentwicklung der Trauben zur Folge hat. Das ist laut Herrn Schärli aber durchaus kein Nachteil, sondern führt zu einer komplexeren Aromatik im Wein. Der K wird im neuen Barrique ausgebaut. Seine wirkliche Trinkreife, so der Kellermeister, erreicht dieser Wein erst in drei bis vier Jahren.

Deutliches, komplexes Bukett. Viel Frucht, deutliche Röstnoten. Kirsche, Cassis, Erdbeer und Würziges. Große Kraft, Komplexität und Fülle. Spürbare Säure, trocken, viel feiner Gerbstoff. Sehr gute Länge. Viel Potential.

Fazit:

Insgesamt haben mich alle vorgestellten Weine erfreut. Allen ist das Bemühen um Qualität und Langlebigkeit anzumerken. Dieser Qualitätsanspruch zeigt sich auch im Verzicht auf eine Restsüße, hinter der andere gerne Nachlässigkeiten verstecken. Für Weinfreunde, die partout keine Röstnoten vom Holzfassausbau leiden können, sind die Weine kaum geeignet. Für jene hingegen, die Freude daran haben, Weine im eigenen Keller nachreifen zu lassen, dürften die Weine eine Offenbarung werden, auf die zu warten lohnt.