In welcher Form ist der deutsche Spätburgunder, lautet die Frage des dreizehn°-Teams, als Ende Oktober diesen Jahres auf der Praterinsel in München die Publikumsmesse WeinHerbst 2011 stattfindet. Untenstehend die Liste der Weingüter, deren Spätburgunderrotweine ich verkostete. Jedes Weingut und seine Weine werden nach und nach in einem eigenen Eintrag vorgestellt:

Weingut Kalkbödele Gebr. Mathis (Baden), Weingut Friedhelm Rinklin (Baden), Weingut Düringer Trottenhof (Baden), Weingut Kühling (Rheinhessen), Weingut Mehl (Rheingau).

Alles frisch! Winzer Berthold Kühling

Die Familie Kühling bewirtschaftet etwa 13,5 Hektar Rebfläche in Gundheim (Bereich Wonnegau in Rheinhessen). Das Sortiment gliedert sich in Guts-, Orts-, und Lagenweine. Man arbeitet im Weinberg nach Naturland-Richtlinien. Der erste Wein war ein Gutswein:

2009, Spätburgunder trocken, Weingut Kühling (5,20 €)

Laut der Besitzerin Frau Silvia Kühling stammen die Trauben für diesen Wein aus Gundheimer Lagen. Der Wein ist maischevergoren und reifte für 15 Monate im großen Holzfass. Außerdem habe der Most Spätlesequalität gehabt. Bemerkenswert an diesem Wein ist seine Frische. In der Nase ein fast an Brause erinnerndes Bukett (Kirsche, Erdbeere). Am Gaumen trocken, spürbare Säure, schlanker Körper und wenig fester Gerbstoff. Ordentliche Länge. Im Abgang feinste Bitternoten. Der Säureeindruck auf der Zunge blieb. Insgesamt für den Preis ein guter Spätburgunder für Weinfreunde, die eine belebende Säure einem restsüßen Schmeichler vorziehen.

Der zweite Wein stammt aus einer Lage in Abenheim, einem Nachbarort von Gundheim:

2008, Abenheimer Klausenberg, Spätburgunder trocken, Alte Reben, Weingut Kühling (12,50)

Die Rebstöcke sind durchschnittlich 35 Jahre alt, und die Hektarerträge liegen für diesen Wein bei etwa 60 hl/ha. Der Wein wurde für 15 Monate in neuen und alten Barriques ausgebaut. Laut Frau Kühling werden die Rotweine nicht spontan vergoren.

Auch das Bukett dieses Weines kitzelt die Nase mit eher frischen, kühlen Aromen (Erdbeere, Kirsche) als mit Reife oder Wärme. Der Fruchteindruck am Gaumen ist gut und deutlich, die Säure spürbar, das Holz bleibt dezent im Hintergrund. Durchaus präsenter fester und feiner Gerbstoff. Gute Länge. Insgesamt ein Wein mit Frische und Potential.

Fazit:

Beiden Weinen gemeinsam war eine prägnante Säurestruktur, sowohl in der Nase wie auch am Gaumen. Beim Gutswein war mir die Dauer des Säureeindrucks auf der Zunge zu lang. Für einen fünf-Euro-Wein, der nach Biolandkriterien produziert ist, finde ich das aber in Ordnung. Der „Alte Reben“ wirkte runder und fülliger, doch auch hier ist Frische das dominante Merkmal. Prinzipiell finde ich diese Frischepolitik unterstützenswert, wenn ein paar Prozent Reifearomatik hinzukämen, würden sie mir noch besser gefallen.