In welcher Form ist der deutsche Spätburgunder, lautet die Frage des dreizehn°-Teams, als Ende Oktober diesen Jahres auf der Praterinsel in München die Publikumsmesse WeinHerbst 2011 stattfindet. Untenstehend die Liste der Weingüter, deren Spätburgunderrotweine ich verkostete. Jedes Weingut und seine Weine werden nach und nach in einem eigenen Eintrag vorgestellt:

Weingut Kalkbödele Gebr. Mathis (Baden), Weingut Friedhelm Rinklin (Baden), Weingut Düringer Trottenhof (Baden), Weingut Kühling(Rheinhessen), Weingut Mehl (Rheingau).

Lieber originell als 0815: Friedhelm Rinklin und sein Spätburgunder

Friedhelm Rinklins Weingut ist sozusagen ein Urgestein in der badischen Bioweinszene. Bereits 1955 stellte sein Vater den Betrieb auf Demeter-Richtlinien um, inzwischen gehört man zum Bioland-Verband. Auf die Qualitätsweinprüfung wird weitgehend verzichtet, weil Rinklin wie viele andere Biowinzer dem vorgeschriebenen Standardgeschmack entkommen will. Stattdessen werden die Weine als Tafelweine deklariert.

Das Sortiment des 6ha-Weinguts im Kaiserstuhl teilt sich in die Weine für jeden Tag (ca. 80° Oechsle), die Gutsweine (90°-95° Oechsle also etwa Spätlesequalität und ertragsreduziert) und die exclusiven Spezialitäten (50 hl/ha und 100° Oechsle oder mehr).

Ich kostete:

2009, Eichstetter Herrenbuck, Spätburgunder, Qualitätswein tr., Weingut Friedhelm Rinklin(€ 6,90)

Ein Wein aus der „jeden Tag“-Linie, zu 80% im Stahltank, der Rest  im großen Holzfass ausgebaut. Dezentes, feinfruchtiges, frisches Bukett nach roten Beeren mit animalischen Noten. Feine Säure, im Abgang leicht wärmend. Länge mittel. Insgesamt gut bis befriedigend.

2009, Spätburgunder trocken, aus dem großen Holzfass, Weingut Friedhelm Rinklin (€ 7,90)

Ein Gutswein ausgebaut im großen Holzfass und in gebrauchten Barriques. Frisches, unruhiges Bukett, guter Druck, saftig, gute Länge. Insgesamt befriedgend bis gut.

2007, Spätburgunder trocken, Barrique, Weingut Friedhelm Rinklin (€13,50)

Aus der Reihe exclusive Spezialitäten. Frisches, unruhiges Bukett, frisch auch am Gaumen, Noten von Erdbeere und Kirsche, auch Animalisches. Gute Länge. Insgesamt gut bis sehr gut.

 

Fazit:

Rinklin will, dass die Jahrgänge in ihrer Unterschiedlichkeit erkennbar bleiben, an geschmacklicher Glättung ist er nicht interessiert. Das zeigt sich wie erwähnt auch in dem weitgehenden Verzicht auf die Qualitätsweinprüfung. Die Herkunft der von mir probierten Spätburgunder hätte ich bei einer Blindprobe eher in Rheinhessen vermutet als im Kaiserstuhl, so frisch und wenig überreif wirken sie. Das Bukett verströmt immer auch etwas Unruhiges. Mag man Bio, nennt man es originell, andere vermissen vielleicht eine gewisse Reintönigkeit in der Nase. Am Gaumen dominiert die Frische, und stets haben die Weine eine gute Länge bei für Bioweinen sehr vernünftigen Preisen.