Montagnacht sitze ich meistens im Büro und schreibe einen Blog. Heute nicht, eigentlich wollte ich früh ins Bett, denn das Wochenende war familiär arbeitsreich. Samstag Kindergeburtstag. (Gibt es eigentlich andere Weinblogger, die auch Schnitzeljagden für ihre Nachkommen organisieren, maximal werden Ehefrauen erwähnt.) Sonntag Erstkommunion mit Verwandtschaft mit anschließendem Isarkuchenpicknick, das nur per Fahrrad von mir angeliefert werden konnte.
Die Weine zum Kommunion-Menü übrigens sehr schön. 2011 Fumberg Grüner Veltliner Weingut Wimmer Czerny Wagram: frisch und gleichermaßen cremig. 2008 Blauburgunder Südtirol DOC Kellerei Josef Weger: ein bisschen unheimlich wirkende Fruchtigkeit, saftige Säure, für den Preis um die zehn Euro toll. 2006 Chardonnay Sekt brut traditionelle Flaschengärung Ackermann Pfalz: trrockenn und Druck.
Heute also bloggen und Hirn leer. Gucke ich mal bei den Kollegen zur Anregung: Schnutentunker? Super Blog über „Kann man mit Bloggen Geld verdienen?“. Tolles Thema, gnadenlos aufbereitet. Ich mag seine desillusionierende hamburgische Art. Weinkaiser? Wurde von einem anderen Blogger befragt und hat Antworten auf Fragen wie „Wie war Ihr Geburtsjahrgang?“. Respekt, aber da war ich zu jung zum Weintrinken. Kollege Michael Liebert reitet seine googlekompatible Lieblingswelle Gambero Rosso und hat bemerkt, dass in der deutschen Fassung 2012 auf die längere Weingutsbeschreibung völlig verzichtet wird. Ein Anruf meinerseits beim Weinhändler um die Ecke, der den Übersetzer kennt, und vielleicht noch etwas ausplaudern könnte, blieb erfolglos. (Inzwischen habe ich den Weinhändler erreicht, dessen Freund nun nicht mehr den Gambero Rosso übersetzt, weil der Hallwag Verlag mit dem Gambero Rosso nichts mehr zu tun hat.)
Kommt also keine Idee um die Ecke. Dafür der kleinste Sohn. Der mit der Schnitzeljagd. Drei Jahre alt und gerade im Stadium „Maximale Kraft, minimaler Verstand“, wie eine Nachbarin es einmal bezeichnete. Schreiben mit mit einem schlaflosen Sohn, der auf die Tastatur dengelt, ist auch nicht möglich. Das Hoffen auf die Ehefrau, die im Nebenzimmer beruflich konferiert, wird dennoch erhört. Sie kommt, sagt „I like you a lot“ und schwingt den Sohn aus der Küche. Ich halte mich jetzt kurzfristig für Axel Hacke im Kolumnenstress und bemühe die Erinnerung an den besten Wein der letzten Wochen 2010 Deidesheimer Maushöhle Spätburgunder trocken Weingut Martin & Georg Fusser in Niedernkirchen/Pfalz: Kostet unter zehn Euro. Geht so herrlich hell ins Glas. Bemüht sich nie, seine deutschen Spätburgunderklone zu verhehlen. Besitzt enorme „Trinkigkeit“, ein abartiges Synonym für Süffigkeit, das ich einst aus Bernd Klingenbrunns Mund zum ersten Mal vernahm. Hat Reife, Frische, Säure, Druck und Länge und … ist im Internet nicht wirklich zu finden. I like you a lot, too.

Sekt und Pinot noir haben mir sehr gefallen. Beides sind absolute Highlights.