Unlängst kam ich in die seltene und angenehme Situation, eine Viertelstunde in der Münchner Innenstadt verbummeln zu müssen. Auf der Suche nach etwas Ruhe, der erste schöne Frühlingsfreitag hatte reichlich Menschen angelockt, ging ich in den Innenhof des Alten Hofes, der ersten Münchner Residenz. Der Sage nach hatte hier einst ein Schwein seinen Weg zur unbewachten Wiege des Thronfolgers gefunden. Ein Affe, den der Herzog als Haustier hielt, rettete jedoch das Wickelkind vor dem Borstenvieh und kletterte mit dem Kinde unterm Arm auf das Dach des höchsten Erkers des Gebäudes. Todesgefahr fürs Erlauchte drohte!

Lässt den Thronfolger lieber am Boden spielen: Matthias Adams vom Weingut von Racknitz
Lässt den Thronfolger lieber am Boden spielen: Matthias Adams vom Weingut von Racknitz

Die Geschichte ging gut aus. Nachdem reichlich Bettzeug im Hofe ausgebreitet worden war, und man dem Affen Straffreiheit zugesichert hatte, kletterte er wieder hinunter und legte das Kind in die Wiege. Daran dachte ich, als ich den Innenhof betrat, wo statt der erwarteten Ruhe jedoch reichlich Rummel herrschte. Zu meiner Freude entdeckte ich inmitten eines Budenwirrwarrs einen Weinprobierstand des renommierten Naheweinguts von Racknitz.

Weingutsbesitzer Matthias Adams betreute den Stand höchstselbst. Ob das hinter der Theke spielende Kind der Racknitzsche Thronfolger war, kann ich jetzt nur noch vermuten. Ein Affe war jedoch nicht in Sicht. Nachdem ich gerade eine Online-Befragung zum Thema Mineralität im Wein hinter mir hatte, verwickelte ich den freundlichen Winzer, der das Gut seit dem Jahr 2003 zusammen mit seiner Frau Luise von Racknitz-Adams führt, in ein Gespräch zu diesem Thema. Wenn heute ein Wein als mineralisch deklariert wird, ist das der Adelsschlag, auch weil keiner so recht weiß, was damit gemeint ist. Ein bisschen ist das wie bei des Kaisers neue Kleider. Ja, ja, Sie haben recht, eine ganz, feine, ganz besondere Art der Mineralität!

2010 Odernheimer Kloster Disibodenberg Riesling Qualitätswein trocken Weingut von Racknitz, der mir gut gefiel. Straff, knackig und nachhaltig mit einem Ton in der Nase, der mit dem Schieferboden korrespondierte, auf dem die Trauben für diesen Wein, laut Herrn Adams, gewachsen sind. Tatsächlich bringt das Weingut seine Weine eher spät auf den Markt, was der sorgfältigen Bereitung (langes Hefelager, Spontanvergärung, etc.) geschuldet ist.

Man habe auch nicht wie viele Kollegen den Jahrgang 2010 entsäuert, bemühte sich Herr Adams fast entschuldigend hinzuzufügen. Die vielen Verteidigungsreden für seine Art der Weinbereitung, die er gegenüber Probierenden mit säureempfindlichen Gaumen halten muss, waren ihm an seiner Miene anzumerken. Auch der zweite Wein ein 2010 Niederhäuser Klamm Riesling Qualitätswein trocken Weingut von Racknitz brachte ein ähnlich prägnanten Geschmackseindruck auf die Zunge. Auf vulkanischem Boden gewachsen hatte er zumindest in der Nase ein breitere, reifere Art, am Gaumen zeigt er sich ebenso wie frisch wie der erste Wein.

Insgesamt fand ich beide Weine interessant und empfehlenswert. In München kann man einen Teil des Racknitzschen Portfolios bei Manufactum kaufen und dann auf der rückwärtigen Seite gleich die Gelegenheit nutzen, den schönen Erker zu bewundern, wohinauf einst der Affe mit dem Thronfolger turnte.