Hier in München wird gerne gefeiert. Und für gewöhnlich begleitet Bier das private und das volkstümliche Fest, der Wein bleibt Nebensache. Als bekennender Weintrinker ist das nicht immer einfach, denn wenn Wein angeboten wird, ist er oft schlecht, teuer oder beides. Wohin ist eigentlich der Schoppenwein aus der Literflasche verschwunden, der doch bei derartigen Anlässen eine prima Alternative zum Bier bieten könnte?

Süffig war einst für einen Wein kein Schimpfwort, inzwischen ist es eins. Die meisten Weinhändler sind dazu übergegangen von trinkig zu sprechen, wenn sie in Wahrheit süffig meinen. Da fängt das Problem schon an, die vermeintliche Verfeinerung der Lebensart gebietet es den Wein als höherstehendes, edleres Getränk zu deklarieren, während das Bier das volkstümliche Getränk sein darf. Aus den Fehlern der Vergangenheit lernend orientieren sich die qualitätsbewussten deutschen Winzer nach oben: Immer noch bessere Tropfen, weniger Erträge, Holzfassausbau und notgedrungen höhere Preise. Und so vernachlässigen sie das Spaßsegment, das dann auf den Volksfesten oder in der Gastronomie fehlt.

Ich will aber manchmal einen süffigen und einfachen Wein, wenns draußen heiß ist, das Glas simpel, die Speise schlicht und die Witze derb. Trotzdem möchte ich natürlich keine Plörre, sondern einen frischen und leichten Wein, von dem ich auch ein Glas mehr trinken kann. Das muss keine Charaktergranate sein, aber eine Prise Eigenart oder Sortentypizität darf er schon haben.

Als Kollege Kay und ich unlängst im Alten Hof der Residenz beim fränkischen Weinfest weilten, gabs kein Bier und das war schön so. Stattdessen labten wir uns gemeinsam an einigen Weinen, die das Vinorant für diesen Anlass bereitstellte. Uns siehe da, da war er: der frische, leichte Schoppenwein. Etwas unglücklich dargereicht in diesen italienischen Ein-Liter-Glas-Karaffen, bei denen man stets etwas danebenschüttet, aber herrlich süffig! 2011 Müller Thurgau trocken von Frank & Frei, in diesem Fall sogar Fasswein.

Als der Abend später und auch zunehmend lustiger wurde, orderte unser Sitznachbar Herrmann Schmitt noch eine wirkliche Literflasche: 2011 Randersackerer Ewig Leben Silvaner Qualitätswein trocken Weingut Störrlein. Und auch dieser Wein mundete zur fränkischen Brotzeit ganz vorzüglich. Vielen Dank dafür an dieser Stelle.

Ein bisschen bin ich also versöhnt. Es gibt vernünftigen Wein in Literflaschen, aber man muss ihn suchen. Und das gilt auch für die Gastronomen, die mit ein paar guten Literweinen aus deutschen Landen den Weinfreunden eine Alternative zum Zwangsbier bieten könnten.

Beim Rotwein wird die Sache naturgemäß ein wenig schwieriger, weil leichte Rotweine kein gutes Image haben. Mir egal, ich liebe ihn zu bestimmten Gelegenheiten. Mein Tipp in dieser Hinsicht: Spätburgunder Qualitätswein trocken in der Literflasche vom Weingut Mehl im Rheingau. Trocken, knackig und mit einer Prise frischer Frucht. Spitze zum Grillen.

Ausgestorben ist er also nicht der Literschoppen, aber auf der roten Liste steht er schon. Retten wir ihn!