Auch dieses Jahr veranstaltete der Bodenseewein e.V. seinen Internationalen Müller-Thurgau Preis. Der Vereinsvorsitzende Dr. Jürgen Dietrich, seines Zeichens auch Direktor des Staatsweingutes Meersburg, hatte gerufen, und viele Winzer waren diesem Ruf gefolgt. Mit 289 zur Verkostung angestellten Weinen nahmen rund dreißig Prozent mehr Weine als im Vorjahr teil.

Nicht die Fachjury, sondern das Bläserquintett der Knabenkapelle Meersburg, das den Siegern ein Ständchen spielt. (Foto Jürgen Kurlbaum)

Vergangenen Dienstag, den 3.7.2012 wurden im Neuen Schloss in Meersburg die Sieger des Wettbewerbs gekürt. Der Müller-Thurgau-Preis ist einer der wenigen Weinwettbewerbe, der nicht-kommerziell von Winzern für Winzer durchgeführt wird. Die Organisatoren zeigten sich erfreut, dass nicht nur Winzer aus den deutschen Anbaugebieten und der an den Bodensee grenzenden Schweiz und Österreich Weine eingereicht hatten, sondern auch Weingüter aus Liechtenstein, Ungarn und Italien.

Die siebzehnköpfige Jury vergab Auszeichnungen in fünf Kategorien:

Kategorie 1 (trocken < 12,0%vol):

1. Platz: 2011er „Vision“ Jechtinger Rivaner trocken, Winzergenossenschaft Jechtingen am Kaiserstuhl e. G. (Baden, Kaiserstuhl)

2. Platz: 2011er Müller-Thurgau trocken, Oberkircher Winzer e. G. (Baden, Ortenau)

3. Platz: 2011er frank & frei Müller-Thurgau QbA trocken, Weingut Michael Fröhlich, Escherndorf (Franken)

Kategorie 2 (trocken > 12,0%vol):

1. Platz: 2011er Veitshöchheimer Sonnenschein Müller-Thurgau Kabinett trocken, Weingut Reiss, Würzburg (Franken)

2. Platz: 2011er frank & frei Müller-Thurgau QbA trocken, Weingut Römmert, Volkach (Franken)

3. Platz: 2011er Hagnauer Burgstall Rivaner trocken, Winzerverein Hagnau e. G. (Baden, Bodensee)

Kategorie 3 (halbtrockene Weine)

1. Platz: 2011er Pfaffenweiler Müller-Thurgau feinherb, Pfaffenweiler Weinhaus (Baden, Markgräflerland)

2. Platz: 2011er „Filius“ Müller-Thurgau halbtrocken, Weingut Frank Hemmes, Bingen (Rheinhessen)

3. Platz: 2011er Würzburger Abtsleite Müller-Thurgau, Weingut Juliusspital, Würzburg (Franken)

Kategorie 4 (liebliche Weine)

1. Platz: 2011er Meersburger Haltnau Müller-Thurgau Spitalkellerei Konstanz (Baden, Bodensee)

2. Platz: 2011er Oberrotweiler Käsleberg Müller-Thurgau Kabinett, Kaiserstühler Winzerverein Oberrotweil e. G. (Baden, Kaiserstuhl) zusammen mit dem 2011er Meersburger Bengel Müller-Thurgau, Staatsweingut Meersburg (Baden, Bodensee)

3. Platz: 2011er Müller-Thurgau Kabinett, Alde Gott Winzer e. G. (Baden, Ortenau)

Kategorie 5 (edelsüße Weine)

1. Platz: 2009er Nordheimer Kreuzberg Müller-Thurgau Beerenauslese, Weingut Glaser-Himmelstoss, Nordheim (Franken)

2. Platz: 2010er Achkarrer Schloßberg Beerenauslese, Winzergenossenschaft Achkarren (Kaiserstuhl Baden)

3. Platz: 2010er “Franconia” Nordheimer Vögelein Müller-Thurgau Beerenauslese, Divino Nordheim eG (Franken)

Wieder nicht die Jury, sondern die Preisträger. Ganz links Vereinsvorsitzender Dr. Jürgen Dietrich. (© Foto: Manuela Klaas)

Fazit:

Mit einer Ausnahme, dem 2011er „Filius“ vom Weingut Frank Hemmes in Rheinhessen, kommen alle ausgezeichneten Weine aus den deutschen Anbaugebieten Baden und Franken. Das ist nicht ganz so verwunderlich, denn mit 210 von 289 Weinen kam das Gros der Anstellungen aus diesen beiden Gebieten. Den Bodenseewinzern dürfte es hingegen nicht schmecken, dass nur ein Bodenseewein, nämlich der 2011er Meersburger Haltnau Müller-Thurgau der Spitalkellerei Konstanz, einen ersten Platz erringen konnte. Wieder einmal zeigt sich, dass auch in den badischen Bereichen Kaiserstuhl, Ortenau und Markgräflerland ebenso wie in Franken famose Weine aus Müller-Thurgau bereitet werden. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft, und gegen einen echten Seemüller an den Gestaden des “schwäbischen Meeres” genossen reicht sowieso wenig heran.