Weiße Zelte, Buchsbäume, Weinstöcke und gedeckte Tische zieren den sonst so schmucklosen Platz zu Füßen der Feldherrnhalle. Für gewöhnlich wandelt der Münchner zwar am Odeonsplatz vorbei, doch ein Aufenthalt ist selten. Das war am vergangenen Wochenende anders.

Endlich dem italienischen Vorbild nahe: Die Feldherrnhalle leuchtet im Glanz des Genussfestivals
Endlich dem italienischen Vorbild nahe: Die Feldherrnhalle leuchtet im Glanz des Genussfestivals

Das zweite Bayrische Genussfestival bot kulinarisch Köstliches und also Gelegenheit, den Platz zwischen Hofgarten, Theatinerkirche und Feldherrnhalle einmal als schönsten Platz der Stadt zu erleben. Rund 15.000 Besucher tummelten zwischen Freitag, dem 3.8. und Sonntag, dem 5.8. Sie waren durstig auf Frankenwein und hungrig nach Käse- und Fischspezialitäten aus bayrischen Landen, die Landwirtschaftsminister Brunner bei seinem freitäglichen Besuch wie immer wortgewaltig anpries.

Für uns von dreizehn°-Dein Wein stand natürlich der Wein im Vordergrund, schließlich sind nahezu alle auf dem Festival präsentierten Weine bei uns einsehbar und bewertbar. Der Frankenwein-Verband und unsere Partner von Culinarium Bavaricum hatten für ein volles Wein-Programm gesorgt. Neben etlichen Winzernständen, gab es auch eine ganze Reihe von Weinproben, Weinseminaren und Weinspaziergängen.

Firmengründer sind beliebt. Schöne Frauen charmieren Kay Liedl von dreizehn° (re. im Bild)
Firmengründer sind beliebt. Schöne Frauen charmieren Kay Liedl von dreizehn° (re. im Bild)

So präsentierte z. B. Sommeliere Anna Flohr vom Restaurant Broeding die Inselweinmacher der sogenannten fränkischen Weininsel bei Sommerach. Die Inselweinmacher, einst als Vermarktungsgemeinschaft gestartet, so Mitglied Winzer Manfred Rothe, bewältigen gerade einen internen Wandel. Nichtsdestotrotz glänzten die Weine. Mir gefiel vor allem Manfred Rothes barriqueausgebauter 2011er Schwarzriesling Grande.  Noch jugendlich toastige Nase, aber Gaumen rund und frisch wie ich es mag.

Französischer Esprit trifft Frankenwein: Sommelier Julien Morlat

Rüdiger Meyer von der Sommelier-Union hingegen stellte Spitzen aus der fränkischen Best-of-Gold-Prämierung vor. Sehr informativ der Beitrag von Julien Morlat, der als Sommelier im zwei-Sterne-Restaurant von Dallmayr arbeitet. Seine Probe illustrierte die verschiedenen Weinstile, welche die vorherrschenden Bodenformation (Keuper, Buntsandstein, Muschelkalk) in Franken hervorbringen können. Neben diesen drei Experten überzeugten auch Thomas Riedel und Daniel Betzin von Schuhbecks Ein-Stern-Restaurant in den Südtiroler Stuben sowie Nicole Retter die Besucher mit ihrer Weinkompetenz.

Den Höhepunkt bildeten jedoch die Veranstaltungen von Rhakhshan Zhouleh und seinem Kollegen Justin Leone, den Sommeliers vom Restaurant Tantris. Während Zhouleh mit Gewürz- und Obstpaletten bewaffnet die Zuhörer charmant an der Nase packte, gelang Leone ein seltenes Kunststück. Während ein Wolkenbruch herniederging und dampfende Feuchtigkeit das Seminarzelt erfüllte, fesselte er die Zuhörer mit einer Theorie zu Wein und Fisch. Er parallelisierte dabei gekonnt Wein- und Fischbereitung und leitete so eine sehr anschauliche und gleichermaßen schlüssige Theorie her, wie beides ideal kombiniert werden kann. Sein bezauberndes Deutsch-Englisch bot dabei eine nahezu kabarettistisch erfrischende Alternative zur routinierten Weinansprache der Kollegen.

Der Durst der Münchner war groß. Sowohl am Freitagabend wie auch am Samstagabend meldeten einige Winzer erschöpfte Weinvorräte. Zweimal musste also ein eigens georderter Laster aus Franken frühmorgens Verstärkung liefern. Sage noch einer, München sei nur eine Bierstadt und der Odeonsplatz nur ein Ort, an dem man vorbeiläuft. Ungern warten wir Münchner auf´s nächste Jahr. Könnte eine neue fränkische Weinstube in der Innenstadt nicht das Warten verkürzen?