Die Sommerfrische verbrachte ich diesmal an der Ostsee, im schönen Städtchen Zinnowitz auf der Insel Usedom. Der Speiseplan vor Ort geriet fischlastig, nicht nur wegen des regionalen Angebots, sondern auch weil das Gemüse- und Obstangebot meiner Frau die Tränen in die Augen trieb. So ist das, wenn Münchner mal nicht nach Italien fahren. Für mich hingegen bot sich vor allem eine Herausforderung: Welcher Wein passt zum Räucherfisch, der hier in allen erdenklichen Variationen angeboten wird?

Hinterm Ohr Maria, in der Nase eine Sprotte. Wenn das mal gut geht.
Gegen alle Gewohnheit hatte ich keinen Wein mitgenommen. Ganz wollte ich mich hingeben dem regionalen Angebot des örtlichen Handels. Der bestand aus LEH (Edeka, Aldi, Norma) und einigen Gschäfteln, die neben Tee, Postkarten, Sanddornmarmelade oder Kunst auch noch ein paar Weine im Sortiment hatten.
Eigentlich wollte ich über Räucherfisch schreiben, aber der gebratene Fisch soll auch erwähnt werden. Eindrucksvoll wohlschmeckend und hier sehr preiswert, die Flunder. Mir nur bekannt aus der Literatur (Verleihnix: Mein Fisch stinkt nicht!). Sie schmeckt saftig, kräftig und doch fein. Als wirklich guter Begleiter offenbarte sich hier ein Wein von Edeka: 2011 Chardonnay Qualitätswein trocken Remstalkellerei für etwas über fünf Euro.
Dann der Räucherfisch. Die räuchern an dieser Küste alles, nicht nur Fisch sondern sogar Hühnchen. Letzteres habe ich leider nicht probiert. Nach diversen Räucherfischsemmeln am Imbiss am Strand, machte ich dann eines Abends die Probe aufs Exempel. Zu Schillerlocke, dem schön fettigen Baulappen des Dornhais, und der Sprotte (siehe Foto) hatte ich mir aufs Geradewohl zwei Weine und ein Bier zurechtgestellt:
Einen Weißwein 2011 Riesling Classic Qualitätswein Kloster Eberbach (ca. 7 Euro), einen Rotwein 2009 Beaujolais Villages AC Antonin Rodet (ca. 10 Euro) und ein Pils der Stoertebecker Braumanufaktur aus Stralsund. Der Riesling war ziemlich restsüß und ging eigentlich mit beiden Fischen ganz gut, obwohl er mir solo genossen eher nur passabel geschmeckt hatte. Der etwas zu alte Beaujolais ging ganz gut mit der Schillerlocke, auf die kräftige Raucharomatik der Sprotte geriet er jedoch bitter, obwohl er kaum noch Gerbstoff hatte. Das Bier überdeckte jeglichen Geschmack mit der ihm eigenen Bitterkeit. Das war dann eher Runterspülen.
Mit einem überzeugenden Tipp oder einer allgemeingültigen Regel tue ich mich schwer. Vielleicht hängt das auch mit der Art zusammen, wie hier gegessen, getrunken und gelebt wird. Da ist wenig, das ineinander fließt. Man liebt die Klarheit. Erst essen, dann trinken, dann leben. Also ist vermutlich Räucherfisch und Schnaps die beste Lösung, Wein muss nicht sein.