Die nächste Runde der VDP-Tour machte gestern, am 4.2.2013, Halt im Münchner The Charles-Hotel. Diesmal waren die Winzer aus der Pfalz, von der Mosel, von der Nahe und aus Rheinhessen zu Gast. Nein, ich habe mich erneut nicht am Durcheinandersaufen der meisten Gäste beteiligt, sondern nur die Pfälzer Weißburgunder probiert.
Das Grosse Gewächs will (noch) nicht ins Glas. Muss aber.Das Grosse Gewächs will (noch) nicht ins Glas. Muss aber.

Im Gegensatz zum Hotel Königshof, dem Stop der Tour letzte Woche, verfügt das The Charles Hotel nur über Weingläser minderer Qualität. Ärgerlich auch, dass keine Stehtische bereitgestellt wurden, die das Anfertigen von Notizen erleichtert hätten.

Warum nur Weißburgunder? Weil er eigentlich nicht zu meinem „inneren Rebsortenkatalog“ gehört. Selten habe ich Überzeugendes probiert, die Gelegenheiten war jedoch auch nicht zu zahlreich.

Ich bat die Winzer um Auskunft. Was ist Weißburgunder? Was kann er? Was hat er für ein Profil? Um ehrlich zu sein, waren die Auskünfte nicht so wahnsinnig erhellend. Gerne sprach man über Ausbau, Böden und Bereitung der Weine, selten über seinen Charakter.

Riesling, so der Repräsentant von Pfeffingen, spiegele eindeutig mehr die Böden wider, der Weißburgunder reflektiere eher das Kleinklima, in dem er wachse. Gerne grenzten die Pfälzer Winzer ihren Weißburgunder bei der Beschreibung seiner Eigenheiten von den badischen Gewächsen ab. In der Tendenz verfolge man eher keinen internationalen Stil, also kein Holzfassausbau, spürbarere Säure, cremiger aber nicht breiter Charakter.

Tatsächlich kommen nur die Weine von Kuhn und Knipser mit Holz in Berührung, was mir bei der Probe auch nicht so behagt hat. Allgemein werden dem Weißburgunder eine recht lange Lebensdauer (10-15 Jahre) vorausgesagt, allerdings weiß ich nicht recht, ob der Anspruch an ein Grosses Gewächs durch den Kunden, diese Lebensdauer sowieso voraussetzt.

Ich gewann auch den Eindruck, dass Weißburgunder aufgrund seiner im Vergleich zum Riesling niedrigeren Säure und cremigeren Art, eher ein „Kundenwein“ als ein „Winzerwein“ ist. Man hat dann eben eine Alternative im Portfolio für Menschen, für die Säure im Wein eher ein Feind als ein Freund ist.

Für mich war es eine feine Probe: Weißburgunder ist nun auf dem Radar und im Katalog aufgenommen. Die Weine in der untenstehenden Liste sind zu dreizehn° verlinkt, wo Ihr die Notizen einsehen oder Kommentare und eigene Wertungen abgeben könnt.

Meine Favoriten waren die Weine von Bernhart, Pfeffingen und Meßmer, eher enttäuschend Kuhn.

2011 Mandelberg Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Dr. Wehrheim

2011 Herrenberg Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Pfeffingen

2011 Münzberg Schlangenpfiff Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Münzberg

2011 Im Goldenen Jost Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Meßmer

2011 Kalmit Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Kranz

2011 Kirschgarten Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Knipser-Johannishof

2011 Mandelberg Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Bergdolt-St. Lamprecht

2011 Redling Weißburgunder Grosses Gewächs Weingut Bernhart

2011 Kirschgarten Pinot Blanc Grosses Gewächs Philipp Kuhn