Vor zwei Wochen, am 28.2.2013, präsentierte der Hallwag-Verlag erstmals die deutsche Ausgabe des Slow Wine-Führers 2013 in München. Die Veranstaltung sorgte für Irritationen.
Im Kampf mit der Schnecke: der irritierte WeinfreundIm Kampf mit der Schnecke: der irritierte Weinfreund

Ich ging zunächst mal ganz unvoreingenommen auf diese Probe, die in der dafür tatsächlich sehr geeigneten Eingangshalle des Museums der Münchner Verkehrsbetriebe stattfand. Angenehmer Holzboden, eine gewisse Luftigkeit der Räume und vernünftiger Garderobenservice. Alles schon mal gut.

Dann die übliche Qual. Was soll ich probieren? Ein Ausstellerzettel soll helfen, hilft heute aber nicht. Dann ein Blick in das Ansichtsexemplar des Weinführers. Viele Symbole, viele Weine, viele Winzer. Gut, irgendwann hab ich dann verstanden, was die Schnecke bedeutet und das Eurozeichen und die Flasche und derdiedas…

Beim gewöhnlichen Weinführer weiß ich, woran ich bin. Die jeweiligen Macher bewerten Weine auf einer Skala. Über die kann man dann streiten, genauso wie über den Geschmack der Macher. Bei Slow Wine sieht die Sache aber anders aus. Hier entscheidet nicht allein der Geschmack des Weines, sondern auch die Bewertung von Produktionsbedigungen fließt mit ein. Das sind ja nun scheinbar objektive, weil jenseits von Geschmack sich befindende Umstände. Auf einen klaren Vorgabenkatalog, was einen Wein zum Slow Wine macht und einen Winzer zum Slow Winzer wird aber verzichtet, zumindest habe ich das weder im Buch noch auf irgendwelchen Webseiten gefunden.

Für eine gewisse Transparenz sorgen allerdings Hinweise auf den Weingutsseiten, die über den Düngung, den Pflanzenschutz, den Einsatz von Reinzuchthefen etc. informieren. Ich vermute mal, die Angaben dazu sind freiwillig, kontrolliert wird wohl nicht.

Ohne Vorgabenkatalog wird dieser Weinführer aber ebenso subjektiv wie die anderen, das jedoch unter dem Deckmantel eines Wertesystems, das gerade dabei ist zu einer Marke zu gerinnen.

Und das sprichwörtlich. Der Umschlag verspricht: Mit diesem Weinführer in der Hand kriegst Du zehn Prozent Rabatt bei ausgewählten Winzern. Wenn das kein Faustschlag ins Gesicht hart arbeitender Weinhändler ist.

Im befreundeten Szeneumfeld wurde viel geschimpft. Nicht so sehr über die Kriterien als über die Etikettierung der Veranstaltung. Wenn man Slow Wine München googelt, kommt man eben auf die Ankündigung der Veranstaltung nicht aufs örtliche Convivium oder gar auf als slow deklarierte Weine oder Winzer. Die gibt es nämlich in Deutschland gar nicht, und also konnten die nicht eingeladen werden, weshalb ich wiederum die Aufregung nicht so ganz verstehe. Slow Wine? Gibt´s nicht.