Hey, es wird Frühling! Das bedeutet Blumenwiese, draußen sein und dazu ein fränkischer Müller-Thurgau, von seinen Freunden, zu denen auch ich zähle, Müller genannt. Die GWF, die größte fränkische Winzergenossenschaft, bietet im LEH landesweit den 2011 Weingalerie Müller-Thurgau trocken GWF für € 3,99 an. Was kann der?

Das wahre Terroir für Müller: FrühlingsblumenwieseDas wahre Terroir für Müller: Frühlingsblumenwiese

Franken feiert dieses Jahr das 100jährige Jubliäum der Rebsorte, die als Brot- und Buttersorte der fränkischen Winzer gilt. Dass man aus der Reborte auch seriöse Weine machen kann, beweisen die Weine von Stefan Krämer und Christian Stahl in Auernhofen. Bei Letzterem hat Stuart Pigott ja auch mal einen Müller in Eigenregie ausgebaut. Diese Vorzeigeweine interessieren hier jetzt aber nicht, sondern die Basisqualität, wie sie die GWF in alle Winkel der Republik liefert.

Laut GWF-Kellermeister Christian Baumann beträgt der Hektarertrag für diesen Wein etwa 83 hl/ha, also jenseits dessen, was der Weinfreak für akzeptabel hält, aber weniger als bei dieser ertragreichen Sorte machbar wäre. „Auch für die Basisqualitäten haben wir Klassifizierungsrichtlinien“, fügt Bauman hinzu. Die Weinberge werden vor Ort begutachtet und bei der Traubenannahme wird ein zweites Mal geprüft, ob die Qualität den Vorgaben entspricht.

Der Wein wird im Edelstahl ausgebaut, mit Reinzuchthefen vergoren und in Bocksbeutel abgefüllt. Über die Entwertung des Bocksbeutels als Marke ist viel gestritten worden, er sagt nichts mehr über den Weinstil aus und bekundet allein die Herkunft. Der Wein ist nicht fränkisch trocken und hat laut Auskunft der GWF 5,8 g Restzucker und 5,7 g Säure. Übers Trockene wird natürlich nicht nur in Weintrinkerkreisen debattiert, sondern auch innerhalb der Genossenschaft. In der Tendenz ist es wohl so, dass die Kellerwirtschaft es eher trocken liebt, das Marketing aber mit Blick auf den Gaumen des Durchschnittstrinkers und -käufers das Zuckerschwanzerl bevorzugt.

Genug der Vorrede. Wie schmeckt mir der 2011 Weingalerie Müller-Thurgau Qualitätswein trocken GWF? Helles, transparentes Strohgelb mit mittlerer Viskosität bei nur 11,5% Vol. Alkohol. In der Nase deutlich und ordentlich komplex. Eher frisches als reifes Bukett, zitrische Noten (etwas Grapefruit), im Hintergrund etwas Gelbfruchtiges (Aprikose) und Florales. Mit der Muskatnote, die dem Müller gemeinhin angedichtet wird, tue ich mich immer schwer. Dafür hat er etwas Erdiges, das mich an Silvaner erinnert. Schmecke ich hier etwa die Herkunft? Terroir für 3,99? Schlanker Körper, deutsch trocken, spürbare Säure, noch mittlere Länge.

Insgesamt finde ich den Wein gut für diesen Preis. Er ist sortentypisch, schlank, frisch, hat Säure und wenig Alkohol. Sicher kein Wein, den man ständig unter der Nase herumschwenkt oder im Mund bewegen will, aber ein Wein der süffig ist. Passt zum Abendbrot genauso wie solo auf der Blumenwiese. Geschmack kennt keine Grenzen!