Nachdem wir bei der Libanonwein-Verkostung viel Spaß im reizenden Falafel-Imbiss von Khudor hatten, wollten wir dieses Konzept weiterführen. Für unsere drei kanadischen Weine suchen wir eine passende kulinarische Untermalung hier in München, am besten ein kanadisches Lokal. Tatsächlich scheint es eines zu geben, zumindest suggeriert das die Suchmaschine.
Müssen wir heute vor einem leerem Teller sitzen?

Wir versuchen unter der angegebenen Rufnummer jemand zu erreichen, leider vergeblich. Eine Nachricht auf der Facebookseite des Lokals wird zwar beantwortet. Zu einem Hinweis, wo wir in München kanadisch essen können, führt das jedoch nicht. Denn das Lokal gibt es seit diesem Jahr leider nicht mehr und auch andere Fährten führen nicht zum Ziel. Scheinbar hat es die kanadische Küche bei uns derzeit noch schwer.

In unserer Verzweiflung – kanadische Bekannte haben wir keine – rufen wir beim kanadischen Konsulat an. Eine freundliche Stimme weist nacheinander in drei Sprachen daraufhin, welche Nummer man anrufen kann, wenn man als kanadischer Staatsbürger in Schwierigkeiten ist. Diese Nummer wählen wir dann nicht, denn mit banalen Fragen nach einer kanadischen Essensmöglichkeit wollen wir natürlich keine Hotline für Kanadier in Not blockieren.

Als Gründervater des kanadischen Weinbaus gilt der Deutsche Johann Schiller. Im Jahre 1811 legte er in der Nähe von Toronto am Credit River ein Weingut mit acht Hektar Rebfläche an. Toronto liegt in der Provinz Ontario und aus diesem Bundesstaat stammen auch die drei Weine, die zur Verkostung anstehen. Leider immer noch ohne kulinarische Begleitung. Wir recherchieren im Netz nach den Eigenheiten der kanadischen Küche, und was wir lesen, hört sich durchaus interessant und vielfältig an.

Weit davon entfernt homogen zu sein, vereint die Küche offenbar Gerichte, die ihren Ursprung den verschiedenen Einwanderungswellen und Ureinwohnergruppen verdanken. Über allem thront das Ahornsirup, kein Gericht natürlich, aber eine unerlässliche Zutat. Und deshalb erschien uns auch dies Rezept von Essen und Trinken als geeignet. Allein die vorgeschlagene Butter mit Ahornsirup zum Steak benötigt eine mehrstündige Zubereitungszeit. Und die haben wir nicht.

Deshalb gib es die Essenz des kanadisch-deutschen Holzfälleressens: Rinderlendensteak, Pellkartoffel und Brot. Peng. Ohne Firlefanz. An diesem Harte-Männer-Essen mussten sich unsere kanadische Tropfen beweisen. Bei so einem Essen gibt es natürlich keine Vorspeise, weshalb wir die beiden Weißen vorher probieren, zunächst einmal ohne etwas zu essen.

Wir beginnen mit einem 2010 Riesling dry Niagara Peninsula von Vineland Estates. Ursprünglich Ende der 1970er Jahre gegründet durch den Deutschen Hermann Weis bietet dieses Weingut ein großes Angebot an Sekt und verschiedensten Weinen, speziell auch Eisweine. In der Nase sehr frisch und kühl fruchtig. Zitrische Noten dominieren, daneben aber auch etwas Apfel und fein Gelbfruchtiges. Am Gaumen eine sehr erfrischende, spürbare Säure, etwas ungewöhnliche Holznoten- was mich wundert, denn der Wein ist im Stahl ausgebaut. Dazu ein schlanker Körper und eine ordentliche Länge. Der Wein scheint nicht international trocken. Insgesamt gut.

Zum mittlerweile gewendeten und bruzelnden Steak in der Pfanne können wir auch noch den zweiten Wein öffnen: 2010 Laura’s White von der Creekside Estate Winery – Gegründet 1997 von Laura McCain auf der für „kühle“ Rebsorten berühmten Niagara Peninsula gelegen. Ein Cuvée aus den Reben von Chardonnay Musqué, Sauvignon Blanc, Muscat, Viognier, Chardonnay und Gewürztraminer. Eine wahre Aromenexplosion in der Nase: Apfel, Birne, Ananas, Blumenwiese – insgesamt frisch fruchtig mit leichter tropischen Note. Am Gaumen trocken und wärmend bei leichtem bis mittlerem Körper und Abgang. Insgesamt von Allem ein bisschen und dabei nicht ganz klar und fokussiert, aber gut.
Laura's White und Cabernet-Merlo

In der Küchen haben sich die Röstaromen mittlerweile deutlich ausgebreitet – jetzt aber anrichten für unseren Hauptgang: nach einer kurzen Ruhepause liegen gut 200g bayerische Rinderlende aus ökologischer Tierhaltung auf unserem Teller. Etwas Rosmarin-Thymian-Butter. Ein paar Kartoffeln.

Und im Glas wartet schon der dritte Wein auf uns – ein 2009 Cabernet Merlot Niagara Peninsula VQA von der Pillitteri Estates Winery. Gegründet 1993 von Gary Pillitteri auf der Niagara Peninsula ist das Familienunternehmen mittlerweile Kanadas größter privater Produzent von Vidal-, Riesling- und Gewürztraminer-Eisweinen. Auch Eisweine roter Rebsorten werden produziert. Im Glas nun schöne Aromen von Waldbeeren, Kirschen und Cranberries in der Nase, dazu eine leichte Holznote. Der Wein ist leichtfüßig, frisch und schlank bei mittlerem Abgang am Gaumen. Dazu feine Tannine und eine ausgewogene Söure. ein guter Begleiter zu einem ehrlichen Steak. Wir sind glücklich.

Fazit:

Auch wenn wir dieses Mal kein gastronomische Perle in München finden konnten, mit einem gut gemachten Steak waren wir auf jeden Fall auf der richtigen Spur und konnten zu den Weinen etwas Kanada-Flair in unsere Küche bringen. Die Rezept-Ideen von Essen und Trinken machen darüber hinaus Lust auf weitere Experimente. Das war bestimmt nicht das letzte Mal.

Die drei kanadischen Weine haben allesamt die dortige VQA Klassifizierung und bringen entsprechend auch eine ordentliche Qualität ins Glas. Gut und sauber gemacht. Im Preis-/Leistungsverhältnis noch in Ordnung, aber durchaus an der oberen Grenze. Unser Favorit war der Dry Riesling – auch wenn er nicht ganz dry ist, dafür aber eine schöne Balance zwischen Süße und Säure bietet. Ausprobieren.