Archives for category: Berichte

Als ich neulich die Steillagen-Folge von Stuart Pigotts Weinwunder Deutschland TV-Reihe sah war ich irgendwie ein bisschen genervt von seiner halbreligiösen Rhetorik, obwohl ich mich wie immer auch gut unterhalten fühlte. Ich schrieb dann einen Blogentwurf, den ich meiner Frau zum Lesen gab. Sie fand ihn zu krittelnd und wortklauberisch. Und sie hatte recht. Also stampfte ich ihn ein. Doch der Themenkomplex Lage / Terroir lässt mir keine Ruhe. Deshalb doch noch was dazu:
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Neulich im ICE. Mir gegenüber ein nette Dame, die auf ihrem Tablet-PC herumschabte, während ich hektisch versuchte Schal, Kaffeebecher und Koffer in eine sinnvolle Ordnung im Abteil zu bringen. Es ergab sich dann ein Gespräch. Sie organisierte eine neue Design- und Architekturmesse in München, ich erzählte von Wein und Blog und Internet. Das fand sie alles ganz interessant, und ich wähnte mich auf der sicheren Seite, bis sie dann irgendwann sagte: „Das mit dem Wein ist ja alles gut und schön, aber wenn dann die einzige Bettlektüre der kleine Johnson ist wie bei meinem Ex-Mann, dann hört´s doch auf!“
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Ja, den gibt es wirklich. Kumpel Backe, der in Regensburg lebt, deutete das schon letzten Sommer an, als wir auf dem Weg zur Paddeltour waren und ich den Kelheimer Stadtteil Kelheimwinzer für eine Weinwerbung hielt. Nein, hier in Kelheim gäb es keinen Wein, aber in der Gegend westlich von Regensburg.
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Die Zeit der Jahresrückblicke in den Großmogulmedien ist vorbei, in Spezialmedien wie diesem Blog jedoch waltet persönliche Freiheit und also raus damit: Wie war 2011 für mich? Was waren die wichtigen Erlebnisse und Erkenntnisse vor allem den Wein betreffend?

Die erste Erkenntnis war die Tatsache, dass der Versuch, eine Lagentypizität bei einigen Rieslingweinen aus der Hochheimer Kirchenstück herauszuschmecken, scheiterte. Der freundliche Weinhändler und Weinakademiker, der mir bei diesem Experiment beiseitestand – und nicht wusste worum es ging – lag genauso daneben wie ich. Ich bin also fürderhin vorsichtig, wenn es um die Anpreisung dieser Art von Typizität geht.
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Eigentlich war ich müde. Eigentlich wollte ich nicht mehr probieren. Eigentlich wollte ich nach Hause. Doch dann passierte es. Markus Mehl reichte mir ein Glas und dann noch eines und ich war begeistert. Die Frische und Eleganz seiner Weine belebten meine Sinne, sofort war ich wieder wach und wollte mehr wissen.

Markus Mehl führt das Weingut Mehl seit dem Jahr 2003 in fünfter Generation. Er bewirtschaftet  einen kleinen Betrieb mit 2,7 Hektar in Walluf im Rheingau. Seine Weinküferausbildung jedoch hat er in einem der größten Betriebe Deutschlands absolviert: dem Badischen Winzerkeller in Breisach. Keine Topadresse, denke ich vorurteilsbehaftet, und werde von Markus Mehl eines Besseren belehrt. Er hat dort auch im sogenannten Versuchskeller gearbeitet, wo man u. a. Studien für die Weinbauschulen in Weinsberg und Geisenheim durchführt: „Da gibt´s jede erdenkliche Apparatur und man wird durch die Versuche ständig mit neuen Ideen konfrontiert. Das war sehr interessant und lehrreich.“

Markus Mehl: Vielleicht sieht man schon an den Farben, was ihm am Herzen liegt.

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