Archives for category: Verkostungen

Rechtzeitig zum Wintereinbruch nach dem Jahreswechsel reiste ich samt Kindern ins schöne Mittenwald für ein paar Tage Schneevergnügen. Zwischen Skihosen, Eiskratzer und reichlich Bettwäsche im Kofferraum lag auch ein Dreier-Karton mit Südtiroler Weinen, allesamt freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Online-Weinhandel Dall Italia, wo die Weine erhältlich sind. Wo sonst, dachte ich mir beim Kofferpacken, kann Südtiroler Wein sein wahres Wesen und Können zeigen, wenn nicht in alpiner Umgebung?

Mal ein anderer Weinberg: Die Karwendelspitze. Wer findet die Seilbahn?

Mal ein anderer Weinberg: Die Karwendelspitze. Wer findet die Seilbahn?

Herberge fanden wir freundlicherweise im elterlichen Ferienhaus von Freund Alex, in dem wir eine der Ferienwohnungen bezogen. Der Nachmittag der Anreise verging für mich mit reichlich Bettenbeziehen und Kinderkrankenpflege, nachdem der jüngste Sohn mit leichtem Fieber angekommen war. Dies hinderte ihn jedoch nicht, am heiß ersehnten Abendessen mit Schnitzel und Pommes im Gasthof Alpenrose teilzunehmen, wo auch seine Geschwister und Alex´ Kinder mächtig reinhauten.

Nachdem der Schnee nun immer reichlicher gefallen war, entschieden wir uns am nächsten Tag für eine Rodelpartie in Österreich. Die Anfahrt dorthin fand vor einem Verkehrsschild, das uns zu Schneeketten verpflichten wollte, ein jähes Ende. Zurück in Mittenwald stapften wir dann Richtung Ederkanzel hinauf und sausten mit Bob und Schlitten wieder hinunter ins Dorf.

Abends wurde selbst gekocht, und während Alex die Sauce rührte und das Nudelwasser blubberte, schenkte er mir nacheinander die drei Weine ein, die ich blind verkostete. Ich wusste zwar um ihre Etiketten, aber nicht in welcher Reihenfolge er sie mir ins Glas füllte. Zugegebenerweise war das Erraten dieser Reihenfolge keine allzu schwere Aufgabe, weil die drei Weine vom Stil her doch recht unterschiedlich, und, um es vorwegzunehmen, allesamt sehr typisch waren.

Der erste Wein war ein 2015 Sankt Magdalener Classico DOC der Kellerei Bozen:

Ein klares, transparentes Rubinrot. In der Nase ein sehr zurückhaltendes, ordentlich komplexes, frisches Bukett, mit feinen Anklängen an Rose, Erdbeere, Waldfrucht und etwas Unterholz. Am Gaumen trocken, kaum Gerbstoff, animierende Säure, leichter Körper und Druck, der Nachhall noch mittellang. Insgesamt ein typischer Sankt Magdalener, ein leichter Rotwein, der zu vielem passt und am späteren Abend seine Qualitäten bewies, als der Rest der Flasche in geselliger Runde mit der im oberen Stockwerk wohnenden Verwandtschaft schnell geleert wurde.

Der zweite Wein war ein 2015 Südtirol Blauburgunder DOC der Kellerei Bozen, ebenfalls aus der Klassik-Linie der Kellerei, die im Jahr 2001 aus der Fusion der Genossenschaften Gries und Sankt Magdalena entstanden war:

Klares, transparentes, eher dunkles Rubinrot. In der Nase ein feines, eher zurückhaltendes, mittelkomplexes, reif wirkendes Bukett mit Anklängen an rote Johannisbeere, Erdbeere und etwas Waldwürze. Am Gaumen feiner, präsenter Gerbstoff, guter Druck, trocken mit Fruchtsüßeanmutung. Gute Länge mit fein wärmendem Abgang und etwas Lagerpotenzial.

Insgesamt ein sehr überzeugendes Exemplar, wobei ich zugeben muss, dass ich ein leidenschaftlicher Anhänger des Blauburgunders bin, der in Deutschland Spätburgunder heißt. Einen nahezu international trockenen Spätburgunder von dieser unaufgeregten Eleganz zu diesem Preis bei einer deutschen Winzer zu finden, ist nicht ganz einfach. Zurück in München begleitete der Rest dieses Blauburgunders  eine gebratene Entenbrust mit Kartoffelknödel und Blaukraut ganz vorzüglich.

Der dritte Wein war ein 2014 Lagrein Südtirol Riserva der Kellerei Bozen:

Dunkles, nicht transparentes Purpurrot. Hohe Viskosität. Deutliches und komplexes, tiefes, reifes und gleichermaßen frisches Bukett. In der Nase süße, reife Frucht mit Anklängen an Brombeere, Amarenakirsche, auch Balsamisches und etwas Vanille vom Holzfassausbau. Am Gaumen noch etwas verschlossen, guter Druck, schöne Länge. Ein Wein, der vielleicht noch etwas Kellerreife benötigt, um sein ganzes Potential, das man schon erahnen kann, vollumfänglich auszufalten. Im Vergleich zu den beiden anderen ist er ein Schwergewicht aus der Prestigelinie der Genossenschaft, von seiner Statur und Machart eher ein Wein für besondere Gelegenheiten.

Dieser Wein war der Liebling von Freund Alex, der eher den kräftigen Südweinen aus Spanien und Italien zugeneigt ist. Ich würde ihn als Solist zu anspruchsvoll finden, aber ohne Zweifel führte er beim vollbärtigen Freund zu später Stunde vorm flackernden Kaminfeuer zu großem Genuss und einer Gesprächsbereitschaft, für die ich danke. Dem Wein und dem Freund.

Nachdem wir bei der Libanonwein-Verkostung viel Spaß im reizenden Falafel-Imbiss von Khudor hatten, wollten wir dieses Konzept weiterführen. Für unsere drei kanadischen Weine suchen wir eine passende kulinarische Untermalung hier in München, am besten ein kanadisches Lokal. Tatsächlich scheint es eines zu geben, zumindest suggeriert das die Suchmaschine.
Müssen wir heute vor einem leerem Teller sitzen?
Continue reading “Ein kanadisch-deutscher Holzfällerabend mit Steak & Wine” »

Hey, es wird Frühling! Das bedeutet Blumenwiese, draußen sein und dazu ein fränkischer Müller-Thurgau, von seinen Freunden, zu denen auch ich zähle, Müller genannt. Die GWF, die größte fränkische Winzergenossenschaft, bietet im LEH landesweit den 2011 Weingalerie Müller-Thurgau trocken GWF für € 3,99 an. Was kann der?

Das wahre Terroir für Müller: FrühlingsblumenwieseDas wahre Terroir für Müller: Frühlingsblumenwiese
Weiterlesen

Ehrlich gesagt, habe ich noch nie libanesische Weine probiert. Um die Probe wenigstens mit etwas ethnologischer Kompetenz zu untermauern, gingen wir mit unseren Probeflaschen in den libanesischen Imbiss BeirutBeirut in München. Höhenflug oder Absturz?
BeirutBeirut - Libanesische Essen
Weiterlesen

Manche nennen mich Betonkopf, weil ich Übersee-Weine gerne aus meinem Weinkeller heraushalte. Regionalitätsfreaks finden das natürlich prima, aber Vorurteile sind dazu da geknackt zu werden. Diese Chance bietet sich mir: Ich teste das Chateau-Direct-Paket „Kollektion Chile“.
Chile
Weiterlesen