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Eine ungewöhnliche Erzeugerabfüllung

Im Jahr 2001 trat Thomas Kress aus dem Hagnauer Winzerverein aus. Seither bewirtschaftet er 7,2 Hektar in den Hagnauer Weinbergen in eigener Regie. Er baut den Wein aus und verkauft ihn dann als Fasswein an seine Frau Kristin, die ihn abfüllt. Eine etwas ungewöhnliche Konstruktion, die dazu führt, dass auf den Flaschenetiketten stets nur Frau Kress Name als Abfüller(in) vermerkt ist. Diese Arbeitsteilung hat wirtschaftliche Gründe und offenbar Vorteile, auch wenn sie einen uneingeweihten Weinfreund verwirren kann. Der hatte ja nun mühsam gelernt hat, dass die Trauben für einen Wein, auf dem nur ein Abfüller genannt ist, vermutlich aus verschiedenen Herkünften stammen.

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Mit dem Krug in den Keller

Winzer Peter Krause füllt erst seit 1995 Flaschenweine ab, obwohl die Familie mütterlicherseits schon seit Generationen Weinbau betreibt. Zum „Gasthaus zum letzten Heller“, das auch heute noch von den Krauses geführt wird, gehörten immer schon ein paar Weinberge dazu. Krause erinnert sich: „Einmal im Jahr kam dann der Küfer, hat den Wein von der Hefe abgelassen und dann ist man mit dem Krug in den Keller und hat ihn gefüllt.“ Der eigene Wein im eigenen Gasthaus sei früher üblich gewesen. Krause, der gelernter Winzermeister ist, hat die Rebfläche inzwischen auf 4 Hektar vergrößert. Der Sortenspiegel umfasst bei den Weißen den Lokalmatador Müller-Thurgau, Grauburgunder, Weißburgunder und Auxerrois. Rotweine werden aus Spätburgunder und Cabernet Mitos bereitet. Aus Spätburgunder werden auch Rosé und Weißherbst gekeltert. Hinzu kommen Liköre, Saft und Brände.

Gleich beißt er rein in seinen Wein: Winzer Peter Krause

Weine zum Reinbeißen

Peter Krause vinifiziert keine Prädikatsweine und verzichtet auf Lagenbezeichnungen. Stattdessen führen alle Weine den Ortsnamen also Meersburg(er) im Namen. „Hier oberhalb des Sees gibt es sowieso nur den Fohrenberg als Lage und Meersburg kennt jeder Ami,“ fügt er hinzu und verweist so indirekt auf den Tourismus als Hauptabsatzquelle.   Im Weinberg arbeitet er konventionell, der Ertrag liegt bei etwa 80 hl/ha, denn die Rebanlagen sind teilweise noch jung, durchschnittlich 18 Jahre. Gelesen wird per Hand, die Trauben werden am Stock halbiert, „die Selektion findet im Eimer statt“. Der Weißwein wird kühl vergoren mit Zuchthefe. „Bei 600 Arbeitsstunden pro Hektar und der kleinen Betriebsgröße ist mir das Risiko für Spontangärung zu groß,“ meint Krause. Auch Bio sei für ihn bisher kein Thema gewesen. Wie sein idealer Seemüller aussieht? „Grüngelb schimmernd mit zitrischen Noten und dem typischen Muskatduft. Er muss das Gefühl vermitteln, dass man in die frischen, reifen Trauben förmlich reinbeißt.“

Wehe wenn Gallo kommt…

Für die Zukunft plant Krause den Holzfassausbau der Rotweine, die bisher alle im Stahltank bereitet werden. Krause cuveetiert dabei maischeerhitzte und maischevergorene Partien. Auch eine Weißweinselektion ist angedacht, doch die beiden letzten Jahrgänge 2009 und 2010 waren von der Erntemenge zu gering, als dass er etwas hätte zurücklegen können. „Wir sind ja immer ausverkauft,“ meint er mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Die niedrigen Obstpreise in der Region lassen einige Obstbauern neidisch auf die Winzer blicken, so mancher erwägt in den Weinbau einzusteigen. Eine Erweiterung der Rebfläche wäre jedoch, laut Krause, „ein Alptraum“. Ab 2015 wird in der EU der Anbaustopp aufgehoben, der national noch einmal bis 2018 verlängert werden kann. Krause und viele andere Winzer fürchten, dass die industrielle Weinproduktion – als Angstbild werden ausländische Unternehmen wie Gallo bemüht – die Existenz kleinerer Betriebe gefährden wird. Seinen Wunsch „den Weinbau in seiner jetzigen Form für die nächste Generation zu erhalten“ sieht er dadurch bedroht.

Verkostnotizen von Jan Potthast

• 2010 Meersburger Grauburgunder, Dt. Qualitätswein trocken, Weingut Peter Krause

Klares, helles Grüngelb. Hohe Viskosität. Mittel intensives, halbwegs komplexes, frisches Bukett. In der Nase zitrische Noten (Grapefruit), Grasiges und Weißblühendes (Holunder). Am Gaumen trocken, bei spürbarer Säure, schlankem Körper. Dezentes Bitterl. Mittlere Länge.

• 2010 Meersburger Weißburgunder, Dt. Qualitätswein trocken, Weingut Peter Krause

Klares, helles Grüngelb. Mittlere Viskosität. Ordentlich komplexes, dezentes, frisches Bukett. Noten von Apfel, Birne, im Hintergrund Zitrisches. Am Gaumen trocken, spürbare Säure, leichter Körper. Der Alkohol leicht spürbar, feinstes Bitterl. Gerade noch mittlere Länge.

• 2010 Meersburger Auxerrois, Dt. Qualitätswein trocken, Weingut Peter Krause

Helles, klares Strohgelb. Mittlere bis hohe Viskosität. Mittel intensives, ordentlich komplexes Bukett. In der Nase zunächst reife, aber frische gelbe Frucht. Dann Noten von Birne, Pfirsich, im Hintergrund Würziges (Nüsse, Rauch). Am Gaumen trocken, leicht spürbare Säure, bei schlankem, aber wohlausgebildeten Körper. Etwas mehr als mittlere Länge.

• 2010 Meersburger Müller-Thurgau, Dt. Qualitätswein trocken, Weingut Peter Krause

Klares, helles Grüngelb. Mittlere Viskosität. Ordentlich deutliches und halbwegs komplexes Bukett. Ersteindruck in der Nase gleichermaßen frisch und reif. Noten von gelbem Apfel, Aprikose und Würzigem (Muskat). Am Gaumen trocken, bei leicht spürbarer Säure, schlankem Körper. Etwas mehr als mittlere Länge.

• 2010 Meersburger Cabernet Mitos, Dt. Qualitätswein trocken, Weingut Peter Krause

Nicht transparentes, aber klares Purpurrot. Mittlere Viskosität. Deutliches, ordentlich komplexes Bukett. In der Nase zunächst frische, rote, dunkle Beerenfrucht. Dann Noten von Pflaume, Kirsche, Brombeere, Cassis. Am Gaumen trocken, leicht spürbare Säure, mittlerer Körper. Viel feiner Gerbstoff. Feines Bitterl, feinste Kohlensäure, leicht spürbarer Alkohol. Mittlere Länge.

• 2010 Meersburger Spätburgunder, Dt. Qualitätswein trocken, Weingut Peter Krause

Helles, klares, transparentes Kirschrot. Mittlere Viskosität. Dezentes, komplexes, frisches Bukett. Kirsche, rote Johannisbeere, etwas Erdbeere, später auch Würznoten. Am Gaumen trocken, leicht spürbare Säure, schlanker Körper. Leicht wärmender Alkohol, feinste Kohlensäure. Noch mittlere Länge.

Fazit:

Die Weine sind durchweg solide und verhehlen nicht ihre rustikale Herkunft. Von den Weißweinen gefielen mir der Müller-Thurgau und der Auxerrois am besten. Der Müller war frisch und saftig, der Auxerrois hatte eine cremig-elegante Harmonie.

Die Rotweine bestachen vornehmlich durch ihr Bukett. Beim Cabernet Mitos war die dunkle Beerenaromatik rebsortenuntypisch differenziert, beim Spätburgunder gefällt die zurückhaltend frische Art. Sie besitzt keine aufdringliche Bonbon-Note von der Maischegärung, wie sie in der Region oft anzutreffen ist. Am Gaumen fielen die Roten jedoch etwas ab wegen des leicht spürbaren Alkohols und der feinen Kohlensäure, die ich in Rotweinen fehl am Platze finde. Andere halten letzeres vielleicht für jugendliche Frische.