Endlich ist es soweit. Ein freies Wochenende fern der Heimat zusammen mit der Lebensgefährtin steht vor der Tür und das alles auch noch für umsonst (Geburtstagsgutschein!). Nach der Arbeit ab ins Auto und los gehts von München nach Langenlois im Kamptal in Niederösterreich. Dort wollen wir zwei Nächte im Loisiumhotel verbringen. Das designprämierte Haus, ein „Wine & Spa Resort“, verspricht uns „Weingenuss in einer völlig neuen Dimension für sie und ihn“. Das muss ausprobiert werden! Vor dem Elysium im Loisium serviert uns jedoch Väterchen Frost erst einmal eine nervige Autofahrt: Winterliche Strassenverhältnisse und ein Navi, das für Umwege sorgt, weil es nicht auf dem neuesten Stand ist. Egal, nur die Harten kommen in den Garten.

Elisium-Hotel © Elisium

Schließlich sind wir am Ziel. Das ultramoderne kubische Hotelgebäude, geplant vom US-Architekten Steven Holl und eröffnet im Jahr 2005, beeindruckt. An der Bar genehmigen wir uns einen Begrüßungsschluck: Der Poysecco, ein Perlwein vom Weingut Schuckert aus Poysdorf im Weinviertel, mundet vorzüglich, doch die anstrengende Arbeitswoche und Anfahrt kann auch er nur vorübergehend vergessen machen. Der Abend gerät also kurz, der Schlaf hingegen wohltuend lang. Wir hätten sogar noch bequemer schlafen können, bemerken wir anderntags. Das Hotel bietet auf Anfrage sogar den Luxus unterschiedlicher Matratzenfüllungen und -stärken an!

Beim reichhaltigen Frühstück, zu dem wir köstliche Aveda-Tees trinken, können wir durchs Fenster in 200 m Entfernung bereits unser späteres Ausflugsziel sehen: Das vom gleichen Architekten geplante und ebenso ansehnliche futuristische Gebäude, das die Loisium Weinwelt beherbergt. Erst einmal gönnen wir uns jedoch etwas Zeit im hoteleigenen Spa: Hier kommen Essenzen zur Anwendungen, welche die Kosmetikfirma Aveda extra für dieses Hotel entwickelt hat. Das Besondere: Die Produkte bestehen aus Traubenkernöl und Weintrauben. Das ist also der Weingenuss der neuen Dimension! Äußerlich gereinigt und innerlich entspannt besichtigen wir nun die Loisium Weinwelt, die am Ortseingang liegt und im Jahr 2003 eröffnet wurde.

Blick aus dem Hotel. Im Hintergrund die Weinwelt.

Eine zweistündige Tour beginnt. Mit dem Fahrstuhl geht es zunächst 10 Meter in die Tiefe. Nun befinden wir uns in einem Labyrinth aus unterirdischen Weinkellern der umliegenden Winzer, das über Jahrhunderte gewachsen ist. Ein farbenfrohes Wasserspiel in einem großen Gärtank empfängt uns. Hier beginnt die Audiotour, die auf sehr unterhaltsame Weise die Geschichte der Weinherstellung in der Region vermittelt. Wir erhalten Einblicke in die Weinwelt von früher, das Leben in den kleinen Winzerhäusern, die Lagerung der Weine und die Produktionsstätte des Weinguts Steininger. Auch die Lössböden als Grundlage für die Weine der Region bleiben nicht unerwähnt.

Lichtinstallation in einem Gang der Weinwelt

Ein langer Gang mit Lichtinstallationen führt uns zurück zum Ausgangspunkt, wo wir nun den Degustationsraum der Weinwelt betreten. Für unseren Eintrittsgutschein kosten wir gratis den 2009 Grüner Veltliner Kamptal DAC vom Weingut Steininger. Mit den neu gewonnenen Eindrücken schmeckt der Wein natürlich nochmal so gut. Der angeschlossene Verkaufsraum gab reichlich Anregung für spätere Einkäufe. Ein kleiner Spaziergang in die Stadt rundet den Ausflug ab.

Nach Kaffee & Kuchen und nachmittäglichem Saunabesuch freuen wir uns auf ein Abendessen à la carte im Hotelrestaurant, weil wir einem üppigen mehrgängigen Menü entgehen wollen. Der Sommelier empfiehlt ausnahmslos regionale Weine und alle überzeugen. Besonders gut gefiel uns der 2008 Muskateller Sekt vom Weingut Steininger zum Apéro. Er wird nach klassischer Champagner-Methode bereitet – die Rüttelpulte, die bei dieser Methode zum Einsatz kommen, hatten wir am Vormittag in der Weinwelt besichtigt. Ein 2009 Roter Kremsfelder (Cuvee aus Zweigelt & St. Laurent)) vom Weingut Eitzinger hingegen begleitet unseren Hauptgang so angenehm, dass wir uns entschließen anderntags davon ein paar Flaschen in der Weinwelt zu kaufen.

Die Abreise am nächsten Tag zögern wir etwas hinaus, zu entspannend und anregend zugleich war unser Aufenthalt. Doch schließlich müssen wir aufbrechen. Durch die bekannten Weinbauorte des Kamptals fahren wir gen Heimat. Schnee bedeckt die Hänge, auf denen die Weine gewachsen sind, die uns so gut geschmeckt haben. Und nicht nur uns. Als wir eine Woche später einem Freund den Roten Kremsfelder servieren, würdigt er seine mitgebrachte chilenische Rotweingranate keines Blickes mehr. Stattdessen sehen wir unsere mitgebrachten Vorräte rapide schwinden. Sieht so aus, als müssten wir wiederkommen!