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In welcher Form ist der deutsche Spätburgunder, lautet die Frage des dreizehn°-Teams, als Ende Oktober diesen Jahres auf der Praterinsel in München die Publikumsmesse WeinHerbst 2011 stattfindet. Untenstehend die Liste der Weingüter, deren Spätburgunderrotweine ich verkostete. Jedes Weingut und seine Weine werden demnächst in einem eigenen Eintrag vorgestellt:

Weingut Kalkbödele Gebr. Mathis (Baden), Weingut Friedhelm Rinklin (Baden), Weingut Düringer Trottenhof (Baden), Weingut Kühling (Rheinhessen), Weingut Mehl (Rheingau)


So solide wie seine Weine: Kalbödeles Kellermeister Martin Schärli
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Auf der Suche nach Abwechslung im Weinglas kreuzte ich neulich durch die Weinabteilung von Galeria Kaufhof am Münchner Marienplatz. Auf meine Frage welchen Käse er zu einem fränkisch trockenen Spätburgunder vom Weingut Martin Göbel in Randersacker empfehlen könne, murmelte der Weinfachberater Unverständliches. Nun, Käse und Wein ist eine Wissenschaft für sich, dachte ich. Dann frage ich ihn eben etwas über einen Wein in seinem Regal und zeigte auf einen 2008 Roter Bronnbacher (Qualitätswein, trocken) vom Weingut Alte Grafschaft. Welche Rebsorten seien denn im Roten Bronnbacher, fragte ich und erhielt die Antwort, Roter Brombacher selbst sei die Rebsorte. Freudig über diese Neuentdeckung strebte ich mit der Flasche heimwärts.

Dort schmeckte sie mir gut zur abendlichen Vesper mit Wurst, Schinken und Käse: Die Farbe ein helles, transparentes Kirschrot mit Rubinreflexen. In der Nase Noten von Kirsche, Dunkelbeerigem, Rote Beete und leichte Würznoten. Am Gaumen frische, kühle Frucht, wenig Gerbstoff, milde Säure, eher deutsch trocken als international trocken. Sicher keine körpereiche Wuchtbrumme, aber ein angenehmer Speisebegleiter leichterer Art mit moderatem Alkoholgehalt (12,5 Vol.%). Weil ich nun mehr über die Rebsorte erfahren wollte, suchte ich später am Abend im Netz danach und fand: nichts. Ein Besuch auf der Homepage des Weinguts Alte Grafschaft, ergab in dieser Hinsicht auch keine Erhellung. Erst eine Mail an den Besitzer Norbert Spielmann brachte dann schließlich Aufklärung: Der Rote Bronnbacher ist ein reiner Cabernet-Dorsa und stammt aus dem Bronnbacher Josefsberg. Weil der Weinberg nahe dem Kloster Bronnbach so altehrwürdig sei, habe er keine neumodische Rebsorte aufs Etikett schreiben wollen, so Spielmann. Damit hätte die Geschichte eigentlich ein Ende finden können, wäre ich nicht neugierig geworden, denn Bronnbach liegt im Taubertal.

Das Taubertal ist eine komplizierte Weinbaugegend, auf deren Geschichte und Weine ich vor einigen Jahren stieß, als ich einen Kurzurlaub auf dem Hof von Stefan Krämer verbrachte. Er betreibt ökologischen Land- und Weinbau in Auernhofen in Franken. Zwar stehen seine Weine publizistisch im Schatten des benachbarten Winzerhofes Stahl, wo Weinkritiker Stuart Pigott in diesem Jahr seinen ersten eigenen Wein vinifiziert hat, doch tatsächlich überzeugen die Krämer-Weine mindestens ebenso. Der sympathische Stefan Krämer berichtete bei diesem Besuch von den Identitätsproblemen des Bocksbeutels ebenso wie von der Schwierigkeit, ein Taubertaler Winzer zu sein. Das Taubertal gehört in verschiedenen Abschnitten nämlich zu drei deutschen Weinbaugebieten (Franken, Württemberg und Baden), obwohl es geografisch eine Einheit bildet, und das Terroir entlang des Flusstales halbwegs homogen ist. So tun sich die Winzer bei der überregionalen Vermittlung und Vermarktung ihrer Weine schwer, denn eine dreigeteilte Identität ist eben keine Identität.

Die Steillage Kaffelstein im Maintal

Warum ist das Taubertal so seltsam dreigeteilt und was hat das mit dem Weingut Alte Grafschaft zu tun? Die merkwürdige Teilung hat beispielsweise zur Folge, dass zwei ausgewiesen gute Lagen, die Norbert Spielmann mit seinem Kompagnon Christof Dinkel für das Weingut in 2009 erwarb, in zwei verschiedenen Anbaugebieten liegen, obwohl nur ein Fluss die beiden Lagen trennt. So die Reicholzheimer Lage Satzenberg und die Kreuzwertheimer Lage Kaffelstein. So what, fragt sich der geneigte Leser. Der Kaffelstein – vom Staatlichen Hofkeller Würzburg erworben – liegt im Weinbaugebiet Franken ebenso wie das von Fürst Löwenstein gekaufte Kellereigebäude. Der Satzenberg jedoch liegt im Weinbaugebiet Baden, weshalb die Trauben eigentlich nicht ins Fränkische hinüber transportiert und dort verarbeitet werden dürfen. Warum nicht? Nun, grob gesagt ist das ein (ungewünschter) Effekt des Verbraucherschutzes. Trauben aus Baden sollen eben nicht einfach qua Transport zu Frankenwein werden können. Wenn Spielmann und Dinkel die bürokratischen Hürden nicht überwinden können, droht im schlimmmsten Fall der Neubau eines (badischen) Kellereigebäudes. Eine Großinvestition, die das junge Unternehmen vor Probleme stellen dürfte.

Napoleons Bezwinger: Christoph Dinkel & Norbert Spielmann

Dabei sind die Weinidealisten Spielmann und Dinkel keinesfalls blauäugig und ohne Erfahrungen in das Weingeschäft gestartet. Spielmann hat Weinküfer gelernt und vorher den Weingroßhandel der Familie geführt. Vor etwa zehn Jahren hatte er begonnen, zusammen mit dem badischen Winzer Konrad Schlör einen alte Tradition wiederaufleben zu lassen, die er über seinen Weinhandel vermarktete: Einen Alten Satz, bei dem Trauben verschiedener weißer Rebsorten gemeinsam angebaut, geerntet und ausgebaut werden. Der 2009 Wertheimer Alter Satz Alte Grafschaft vinifiziert von Konrad Schlör besteht aus Müller Thurgau, Kerner, Bacchus und Silvaner. Ein helles Strohgelb im Glas, in der Nase ein recht expressives Bukett mit Noten von Grapefruit, Mango, Stachelbeere und Gras, das einen ein wenig an einen guten Sauvignon Blanc erinnert. Am Gaumen ausgesprochen fruchtig bei belebender Säurestruktur mit mittlerem Körper und Nachhall. Nach diesem erfolgreichen Gemeinschaftsprojekt hatte Spielmann offenbar Blut geleckt und bestockte 2002 den Weingarten seiner Eltern neu, die den Weinbau eher als Hobby nebenher betrieben hatten. Er pflanzte Spätburgunder und ließ sich dabei von Paul Fürst vom Weingut Rudolf Fürst beraten, dessen Spätburgunderweine in den letzten Jahren für überregionales Aufsehen gesorgt haben. Inzwischen vermarktet Spielmann auch diese eher hochpreisigen Weine unter der neuen Marke Alte Grafschaft.

Den Kern des Weingutes bilden aber die beiden Lagen Satzenberg und Kaffelstein. Beide sind traditionsreich, steil und nur von Hand zu bewirtschaften – etwas für Idealisten eben. Mit der Vereinigung beider Lagen in einer Hand will man, so betont Spielmann, die napoleonische Teilung überwinden, wie sie auch das Etikett der Alten Grafschaft symbolisiert. Ich konnte zwei Weine aus diesen Lagen verkosten.

Der 2009 Kreuzwertheimer Kaffelstein Riesling Kabinett trocken bietet ein eher dezentes, aber vielschichtiges Bukett. Zunächst Gelb- und weißfruchtige Noten, die sich langsam und bestimmt auffalten. Birne, reifer Apfel, Banane und auch Zitrisches schafft sich jetzt Raum. Die Säure ist nervig, fein und jugendlich frisch. Am Gaumen wirkt der Wein ob seiner Jugend noch ein wenig verhalten. Insgesamt aber ein überzeugendes Beispiel dafür, was diese Lage hervorzubringen imstande ist.

Die Lage Reicholzheimer Satzenberg im Taubertal

Die 2009 Reicholzheimer Satzenberg Weißburgunder Spätlese trocken wiederum zeigt, weshalb diese Sorte für den Weißwein-Boom in deutschen Gläsern mitverantwortlich ist. Deutlich entströmt Fruchtsüße dem Glas, Aromen von Holunder, Birne, Melone und Rosinen erfüllen die Nase. Dabei erkauft sich der Wein diesen Süßeeindruck nicht mit hohem Restzucker, denn er ist international trocken. Der Wein beweist auch, dass niedriger Alkoholgehalt und trockene Ausbauweise einen Körper zustandebringen, der zwar nicht wuchtig und breit, aber eben in sich ausgewogen und kraftvoll ist. Ein Balletttänzer und kein Bodybuilder. Dieser Wein dürfte ein Speisebegleiter auf höchstem Niveau sein.

Auf die Frage, ob er sich denn nun für einen fränkischen, badischen oder gar Taubertaler Winzer halte, antwortete Spielmann pragmatisch. Man sei ein fränkisches Weingut mit Weinbergen in Baden. Nun, so ganz scheint die napoleonische Teilung dann doch nicht überwunden, aber die Weine sprechen ja eine eigene Sprache. Und die ist grenzenlos.

Spätburgunder im badischen Weinhaus Resch (Teil 5):

Der WG Kiechlinsbergen (Kaiserstuhl) wollte ich die Treue halten. Letztes Jahr hatte mir der 2007 Ölberg Spätburgunder Rotwein QbA trocken sehr gut geschmeckt und ich war erstaunt, als ich merken musste, dass die Genossen nur im Eichelmann, nicht in den anderen Medien (Siehe Teil 1-4 ) erwähnt sind. Ich begann also mit dem neuen Jahrgang (2008) meines letztjährigen Favoriten: Helle rote Früchte in der Nase, aber eher unangenehm bonbonartig. Im Mund sehr mild und säurearm. Keine Frische, kaum Gerbstoff wie noch im Vorjahr. Am Stand war Vertriebsleiter Herr Gerber sehr auskunftsfreudig und nahm sich Zeit, mir die verschiedenen Ausbauarten zu erläutern. Qualitätswein, Kabinett und Spätlese kommen ins 10.000l Holzfass, die Auslese ins 2.500l Fass. Die Erträge liegen etwa bei 90hl pro ha, erst ab dem Siegel Selektion liegen die Erträge unter 50 hl pro ha. Leider konnte ich keine Selektionsweine kosten. Ich probierte schließlich noch eine 2008 Ölberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken (€ 8,-): In der Nase deutliche Erbeernoten, diesmal angenehm ohne die Bonbonfruchtigkeit, am Gaumen wieder sehr mild. Danach eine 2007 Ölberg Spätburgunder Rotwein Auslese trocken (€ 12,-). Deutlich reife Frucht, in Mund mild und eine mittlere Länge, was ich bei dem Preis dann zu kurz finde. Herr Gerbers Ausführung über die Arbeit im Keller fand ich sehr aufschlussreich, die Weine hingegen überzeugten mich dieses Jahr nicht.

Später bewegte ich mich dann an die Verkostungstheke der WG Königschaffhausen (Kaiserstuhl).  “(B)egrüßt und bedient” wurde ich laut Prospekt von Herrn Mario Siegel, einem Meister der Gastlichkeit. Keine Frage brachte ihn in Bedrängnis und er wirkte sehr überzeugt von dem was er tat und dem geneigten Weinfreund ins Glase goss. Weil es tatsächlich acht verschiedene Weine waren, tut Beschränkung not, auch wenn sie nicht leicht fällt. Ich begann mit einem 2008 Steingrüble Spätburgunder Rotwein QbA trocken (€ 7,45). Dezente Noten roter Johannisbeeren, fein-spürbarer Gerbstoff, leichter Körper. Mild, mir zu mild am Gaumen. Die Erträge liegen für diesen Wein bei ca. 75 hl pro ha. Deutlich reduziert auf 50 hl pro ha sind die Selektionsweine, die zudem noch länger als zehn Monate ins Holzfass kommen.  Zunächst der 2008 Steingrüble Spätburgunder Rotwein QbA trocken Selection (€ 11,05). Ha! Endlich ein Wein, der mir richtig schmeckt.  Deutliche helle Beerenfrüchte wie Johannisbeeren, dazu Röstaromen. Eine feine, aber spürbare Säure, dazu präsenter Gerbstoff und eine Länge, die den Namen verdient. Sehr schön! Dann die 2007 Steingrüble Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken Selection (€ 14,20). Insgesamt reifere Frucht, wieder rote Johannisbeernoten und ein sanft stützender Gerbstoff, aber ein sehr milder Eindruck am Gaumen und wärmender Alkohol. Der nächste Wein war ein 2007 Steingrüble Spätburgunder Rotwein QbA trocken Barrique (€ 13,25). Das fruchtige Bukett eher elegant zurückhaltend als deutlich plump. Schöne Säure, feiner Gerbstoff, die Barriqueholznoten wenig aufdringlich. Mehr als mittlerer Nachhall. Dann wurde mir die Ehre zuteil einen Regnum kosten zu können: 2007 Regnum, Steingrüble Spätburgunder QbA trocken Barrique (27,55). Das Paradepferd des Hauses in den engen Pferch meiner Verkostungssprache zu zwängen, fällt mir schwer. Toller Nachhall! Eine Erfahrung!

Insgesamt fand ich die Königschaffhausener Weine am ansprechendsten von allen. Sie hatten Kraft, wirkten ausbalanciert ohne harmoniesüchtig zu sein und besaßen stets eine überzeugende Länge. Diese feine Vorstellung der Weine wurde sorgsam und kenntnisreich unterstützt von Herrn Siegel am Verkostungstisch. Die Genossenschaft ist erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Weingourmet „Die 800 besten Weingüter Deutschlands 2009“ und im Großen Johnson (Ausgabe 2004).

Spätburgunder im badischen Weinhaus Resch (Teil 4):

Der Winzerkeller Auggener Schäf (Markgräfler Land), benannt nach einer der gleichnamigen Lage ist eher bekannt für seine Weißweine, besonders seinen Gutedel. Doch auch mit Rot- und Süßweinen lassen sie laut Eichelmann 2010 immer wieder aufhorchen. Ich kostete zunächst einen 2008 Auggener Schäf Spätburgunder QbA trocken (€5,60) Künstleretikett. Das erfrischende Bukett wartete mit einem Korb roter Johannisbeeren auf. Im Mund zeigte sich ein feiner, aber spürbarer Gerbstoff und ein eher milder Geschmack, der nach der erfrischenden Nase ein wenig enttäuschte (RZ bei 6,2g/l). Der Nachhall war mittel, der Alkohol stand etwas auf. Die Erträge liegen laut Auskunft des sehr freundlichen, jungen Mannes am Stand für diese Qualität bei etwa 100hl pro ha. Reduzierte Erträge bei etwa 70 hl pro ha hingegen beim zweiten Rotwein, einem 2008 Auggener Schäf Spätburgunder QbA trocken alte Reben (€ 8,20). Wie alle Rotweine im großen Holzfass ausgebaut. Das Mindestalter der Reben liegt bei 15 Jahren. Für die Etikettierung „Alte Reben“ gibt es keine gesetzliche Vorschrift,  aber 15 Jahre dürfte gemeinhin als zu jung für dieses Etikett gelten. Ich durfte kühle Johannisbeerfruchtnoten riechen, dann schmeckte ich wieder einen feinen, aber deutlichen Gerbstoff, dezente Vanillenoten, aber auch leichte Bitternoten. Die Länge gerade mal mittel.

Insgesamt lösten beide Weine die Versprechungen, die sie meiner Nase gemacht hatten, nicht ein. Schade. Die Genossen werden erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus und in Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009.

Das Pfaffenweiler Weinhaus (Markgräfler Land) ist keine Genossenschaft mehr, sondern eine GmbH. Das Stimmgewicht innerhalb einer Genossenschaft ist personenbezogen und nicht anteilsbezogen. Kleiner Bauer hat also (theoretisch) so viel zu sagen wie großer Bauer. Bei der GmbH funktioniert das anders. Ich wurde von Herrn Schweigler bedient, einem eher zurückhaltenden Herrn im Anzug mit Firmenpin im Revers. Er wurde noch zurückhaltender, als ich ihn nach einem Weinfehler fragte, der mir immer wieder mal begegnet. Nämlich nach feiner Kohlensäure im Rotwein. Er fühlte sich von mir offenbar angegangen, zumindest reagierte er merkwürdig, ohne mir wirklich kompetent Auskunft zu geben. Ich kostete einen 2007 Spätburgunder Rotwein QbA trocken ein Stern. Sehr zurückhaltend in der Frucht, feiner Gerbstoff, leichte Bitternoten, ordentliche Länge. Dann einen 2007 Spätburgunder Rotwein QbA trocken ein Stern im Holzfass gereift. Kaum Frucht, der Alkohol auf der Zunge brennend.

Insgesamt wirkten weder die Weine noch Herr Schweiger überzeugend. Die GmbH wird erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Gault Millau 2009 und Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009.

Spätburgunder im badischen Weinhaus Resch (Teil 3):

Die Affentaler Winzergenossenschaft Bühl (Ortenau) verzichtet auf Lagenbezeichnungen und vergibt eigene Reihen- bzw Qualitätsbezeichnungen, wie z. B. Primus oder SLK. Ich kostete den 2008 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken Primus (€ 6,80), den 2007 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken Barrique SLK (€ 12 & 85 Punkte bei Eichelmann 09) und die 2005 Spätburgunder Rotwein Auslese trocken Barrique SLK (€ 21,50). Eine sehr beredte und auskunftsfreudige Dame an der Verkostungstheke erklärte die diversen Zusatzbezeichnungen. Barrique bedeutet nicht nur 12 Monate Lagerung im kleinen Fass, sondern auch noch zusätzlich eine Flaschreife je nach Gusto des Kellermeisters. SLK steht für Erträge bei ca. 35 hl pro ha, was in ungefähr burgundischen Maßstäben entspricht. Außerdem müssen sich die Winzer für eine Teilnahme an SLK besonders qualifizieren. Diese Qualitfikation sei nicht allein durch besonders gutes Lesegut, sondern auch über entsprechende Weinbergarbeit übers Jahr zu erwerben. Für die Auslese seien die Erträge nocheinmal reduziert, also kleiner als 35 hl pro ha. Mir machten die Weine einen ambivalenten Eindruck. Sie wirken durchaus konzentriert, aber stets sehr mild und holzfasswürzig. Mir fehlen da Säure, Frische und Saftigkeit. Die Genossen werden erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Gault Millau 2009, Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009.

Eine weiteres Haus aus der Ortenau präsentierte sich mit der Durbacher Winzergenossenschaft. Mit raumgreifender physischer und verbaler Präsenz schenkte Herr Georg Glanzmann mir einen feinen Tropfen nach dem anderen ein. Insgesamt sechs Weine verkostete ich. Alle fand ich bemerkenswert. Der 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Kabinett trocken (€ 7,30) besaß durchaus Länge und ein angenehm spürbares Tannin mit leichten Bitternoten. Die 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken (€ 9,50) packte zu den üblichen Erdbeernoten noch Kirschfrucht hinzu bei reichlich feinem Gerbstoff. Hier keine Bitternoten. Sehr angenehm. Dann ein 2007 Pinot Noir Qualitätswein trocken (€ 7,20) im großen 600l Eichenholzfass ausgebaut, der Herrn Eichelmann 80 Punkte entlockte. Ich finde ihn sogar besser, wenn er auch eine alkoholische Wärme im Mund entfaltet. Gern vernommene Aromen von hellen und dunklen Johannisbeeren, Vanillenoten.

Herr Glanzmann, der selber als Winzer für die Genossenschaft arbeitet, suchte mich nun für die Paradepferde seines Stalles zu begeistern. Erst eine 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken Barrique, dann eine 2005 Steinberg Cuvee (Lemberger, Merlot, Cabernet Sauvignon, Spätburgunder) aus ehemaligen Versuchsanbauanlagen und schließlich der 2008 Durbacher Diamant Kochberg Spätburgunder Rotwein Qba trocken. Letzterer ist ein Wein, der aus den jahrgangsbesten Qualitäten gekeltert wird und in nummerierte Flaschen in geringer Auflage gefüllt wird – für 2008 gibts 2828 Flaschen. Außerdem wird er nur in geeigneten Jahren bereitet und muss noch weitere Auflagen erfüllen. Alle drei Weine zeigen ein äußerstes Bemühen um Qualität. Stets schlägt diese sich in einer intensiven Frucht nieder und in einer Länge, die mich bei Diamant nahezu sprachlos machte. Ein leichter Wermutstropfen ist die alkoholische Wärme am Gaumen, die auf Kosten der Frische geht. Diesen Eindruck befördert dann vielleicht auch der im Vergleich zur Säure eher hohe Restzucker. Trotzdem waren die Durbacher Weine bisher meine absoluten Favoriten. Respekt! Die Genossen werden erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Gault Millau 2009, Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009 und im Großen Johnson (2004).