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In welcher Form ist der deutsche Spätburgunder, lautet die Frage des dreizehn°-Teams, als Ende Oktober diesen Jahres auf der Praterinsel in München die Publikumsmesse WeinHerbst 2011 stattfindet. Untenstehend die Liste der Weingüter, deren Spätburgunderrotweine ich verkostete. Jedes Weingut und seine Weine werden demnächst in einem eigenen Eintrag vorgestellt:

Weingut Kalkbödele Gebr. Mathis (Baden), Weingut Friedhelm Rinklin (Baden), Weingut Düringer Trottenhof (Baden), Weingut Kühling (Rheinhessen), Weingut Mehl (Rheingau)


So solide wie seine Weine: Kalbödeles Kellermeister Martin Schärli
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Wenig weiß ich von Frau Zwickelstorfer und Herrn Bretz, als ich Freitagabend 10.12.2010 in die Weinhandlung Vinum Merum in München Thalkirchen stürme. Beide kommen aus Österreich, das ist so ziemlich das einzige, was ich weiß. Außerdem hatte ich im Hause der Herren Elbert und Scherer bereits einmal auf ihre Empfehlung einen 2003 Roter Berg von Jörg Bretz gekauft und getrunken. Er war mir als merkwürdig im Sinne von denkwürdig in Erinnerung geblieben. Ich erwarte also Österreich und bin erstaunt, als breitestes Hessisch durch die elegant-gemütlichen Räume tönen höre.

Jörg Bretz

Ich probiere zunächst zwei Sekte. Der Carnuntum Premium Brut „Carnuntinum“ von Zwickelstorfer gekeltert aus Weißburgunder duftet und schmeckt dezent nach Gelb- und Weißfruchtigem. Die Säure ist zurückhaltend mild. Deutlicher in der Frucht (Birne, Melone, Aprikose) ist der (2006) Weißburgunder Premium Extra Brut von Bretz, dessen längeres Hefelager sich auch in der Komplexität am Gaumen widerspiegelt. Nach klassischer Methode bereitet, ist auch er erstaunlich säuremild. Lange Lagerzeiten sind Jörg Bretz´ Credo. Keiner seiner Weine, der momentan im Verkauf ist, weist einen Jahrgang jünger als 2006 auf.

Als nächstes koste ich einen 2009 Pinot Blanc Zwickelstorfer. Reifer Apfel und Melone bei dezent spürbarer Säure und ordentlicher Länge. Ein erfrischender, mundiger Wein. Es folgt ein 2006 Weißer Berg von Jörg Bretz. Und hier ist es wieder, das Bretz-Moment: Merkwürdigkeit! Ade Primärfrucht, hallo Tertiäraromatik: Reife Birnen, welkes Laub und Unaussprechliches drängen sich am Gaumen bei Fülle und schöner Länge. Der dürfte vieles, darunter feinste Flussfische und Fischterrinen exzellent begleiten.

Doris Zwickelstorfer

Jetzt dränge ich mich mal zu Frau Zwickelstorfer hin und wechsle zum Rotwein. Der 2009 Zweigelt aus der Basislinie hält, was man sich von einem Einstiegswein verspricht. Knackige Frucht (Kirsche, rote Paprika) bei leichtem Gerbstoff und schönem Druck. Trinken, Reden, Trinken, Essen, Trinken. Der 2007 Steingarten Zweigelt ist nun schon im Fass ausgebaut. Wie Frau Doris betont, in gebrauchten Fässern, um keinen zu deutlichen Holzton zu erzeugen. Trotzdem spüre ich den für meinen Geschmack zu stark, die Frucht versteckt sich ängstlich dahinter. Gerne hätte sie dennoch mehr Holzfässer im heimischen Betrieb und berichtet mit viel Charme von den Herausforderungen, welche die Übernahme des Betriebes vom Vater mit sich brachte. Die traditionellen Techniken (offene Maischegärung, Holzfässer, Spontangärung) ließen ihm bei den ersten Kellerbesuchen die Haare zu Berge stehen. Inzwischen steht auch er hinter den gleichermaßen traditionellen und naturnahen Methoden seiner Kinder.

Ich probiere nun den 2002 Blauburgunder von Bretz und seinen 2003 Roter Berg. Anders als beim Weißwein überzeugt mich die Weinphilosophie hier nicht in dem Maße. Immer ist zwar die Säure feinnervig, der Gerbstoff weich, ohne schlaff zu sein, und Druck und Länge stimmen, aber die Frucht ist mir doch zu reif und wenig differenziert. Als Spätburgunderfreund vermisse ich die Typizität der Rebsorte und falle hier natürlich genau in die Falle. Denn Jörg Bretz ist beinharter Verfechter des Terroirgedankens, auch wenn ihn diese Begriffe nicht interessieren. Aber anders als beim Cuvee Roter Berg steht beim Blauburgunder eben auch Blauburgunder drauf, insofern erwarte ich dann doch einen gewissen Wiedererkennungseffekt.

Gut gepflegt. Der Hohe Weg von Zwickelstorfer.

Als Abschluss kredenzt Frau Doris mir ihren 2004 Hoher Weg Zweigelt. Sie schwärmt von diesem Jahr, als einem der besten. Ein Barrique-ausgebauter Lagenwein aus Rebstöcken mit einem Mindestalter von 40 Jahren (manche noch viel älter) mit einem geringen Hektarertrag (4000kg/ha), bei dem eine Partie sogar fußgestampft wird. Dass solch sanfte Erziehungsmethoden einen derart aufrechten Charakter erbringen können, erfreut das Herz des Weinfreundes wie des Vaters: Würzige, frische, druckvolle Frucht (Kirsche, Waldbeeren) prägen das noch junge Antlitz des Hohen Weg. In seinem Gerbstoff liegt Kraft, seine Säure verleiht ihm Saftigkeit. In seinen besten Jahren, die noch vor ihm liegen, wird er den Vergleich mit anderen Weinen vermeintlich vornehmerer Provenienz in keiner Weise fürchten müssen. Dafür hat auch seine Mutter gesorgt. Danke Frau Doris!

Spätburgunder im badischen Weinhaus Resch (Teil 3):

Die Affentaler Winzergenossenschaft Bühl (Ortenau) verzichtet auf Lagenbezeichnungen und vergibt eigene Reihen- bzw Qualitätsbezeichnungen, wie z. B. Primus oder SLK. Ich kostete den 2008 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken Primus (€ 6,80), den 2007 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken Barrique SLK (€ 12 & 85 Punkte bei Eichelmann 09) und die 2005 Spätburgunder Rotwein Auslese trocken Barrique SLK (€ 21,50). Eine sehr beredte und auskunftsfreudige Dame an der Verkostungstheke erklärte die diversen Zusatzbezeichnungen. Barrique bedeutet nicht nur 12 Monate Lagerung im kleinen Fass, sondern auch noch zusätzlich eine Flaschreife je nach Gusto des Kellermeisters. SLK steht für Erträge bei ca. 35 hl pro ha, was in ungefähr burgundischen Maßstäben entspricht. Außerdem müssen sich die Winzer für eine Teilnahme an SLK besonders qualifizieren. Diese Qualitfikation sei nicht allein durch besonders gutes Lesegut, sondern auch über entsprechende Weinbergarbeit übers Jahr zu erwerben. Für die Auslese seien die Erträge nocheinmal reduziert, also kleiner als 35 hl pro ha. Mir machten die Weine einen ambivalenten Eindruck. Sie wirken durchaus konzentriert, aber stets sehr mild und holzfasswürzig. Mir fehlen da Säure, Frische und Saftigkeit. Die Genossen werden erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Gault Millau 2009, Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009.

Eine weiteres Haus aus der Ortenau präsentierte sich mit der Durbacher Winzergenossenschaft. Mit raumgreifender physischer und verbaler Präsenz schenkte Herr Georg Glanzmann mir einen feinen Tropfen nach dem anderen ein. Insgesamt sechs Weine verkostete ich. Alle fand ich bemerkenswert. Der 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Kabinett trocken (€ 7,30) besaß durchaus Länge und ein angenehm spürbares Tannin mit leichten Bitternoten. Die 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken (€ 9,50) packte zu den üblichen Erdbeernoten noch Kirschfrucht hinzu bei reichlich feinem Gerbstoff. Hier keine Bitternoten. Sehr angenehm. Dann ein 2007 Pinot Noir Qualitätswein trocken (€ 7,20) im großen 600l Eichenholzfass ausgebaut, der Herrn Eichelmann 80 Punkte entlockte. Ich finde ihn sogar besser, wenn er auch eine alkoholische Wärme im Mund entfaltet. Gern vernommene Aromen von hellen und dunklen Johannisbeeren, Vanillenoten.

Herr Glanzmann, der selber als Winzer für die Genossenschaft arbeitet, suchte mich nun für die Paradepferde seines Stalles zu begeistern. Erst eine 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken Barrique, dann eine 2005 Steinberg Cuvee (Lemberger, Merlot, Cabernet Sauvignon, Spätburgunder) aus ehemaligen Versuchsanbauanlagen und schließlich der 2008 Durbacher Diamant Kochberg Spätburgunder Rotwein Qba trocken. Letzterer ist ein Wein, der aus den jahrgangsbesten Qualitäten gekeltert wird und in nummerierte Flaschen in geringer Auflage gefüllt wird – für 2008 gibts 2828 Flaschen. Außerdem wird er nur in geeigneten Jahren bereitet und muss noch weitere Auflagen erfüllen. Alle drei Weine zeigen ein äußerstes Bemühen um Qualität. Stets schlägt diese sich in einer intensiven Frucht nieder und in einer Länge, die mich bei Diamant nahezu sprachlos machte. Ein leichter Wermutstropfen ist die alkoholische Wärme am Gaumen, die auf Kosten der Frische geht. Diesen Eindruck befördert dann vielleicht auch der im Vergleich zur Säure eher hohe Restzucker. Trotzdem waren die Durbacher Weine bisher meine absoluten Favoriten. Respekt! Die Genossen werden erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Gault Millau 2009, Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009 und im Großen Johnson (2004).