`Unser glorreicher Führer hat das alte Weingesetz modifiziert´, sagte sie. `Früher durfte bei Naturwein kein Zucker zugefügt werden. Jetzt darf sogar die Gärung unterbrochen werden.´ Sie sah mein verständnisloses Gesicht. `Das macht saure Weine in schlechten Jahrgängen süßer´ erklärte sie und lachte. `Ein Schwindel der Herrenrasse, um den Export zu erhöhen.´

Ist er noch genießbar oder vom Führer verdorben? Ein Naturwein von Oma geerbt.

Diese Unterhaltung führen zwei Liebende in Erich Maria Remarques Roman „Die Nacht von Lissabon“ von 1961, dessen Handlung kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges spielt. Der Weinfreund und Antifaschist in mir wurde wach. Aha, dachte ich. Hitler hat also damals nicht nur die Welt, sondern auch den Wein verdorben. Nachdem aber das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit mindestens so problematisch ist wie das von Wahrheit und Wein, wollte ich es doch genau wissen und begann zu recherchieren.
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