Spätburgunder im badischen Weinhaus Resch (Teil 5):

Der WG Kiechlinsbergen (Kaiserstuhl) wollte ich die Treue halten. Letztes Jahr hatte mir der 2007 Ölberg Spätburgunder Rotwein QbA trocken sehr gut geschmeckt und ich war erstaunt, als ich merken musste, dass die Genossen nur im Eichelmann, nicht in den anderen Medien (Siehe Teil 1-4 ) erwähnt sind. Ich begann also mit dem neuen Jahrgang (2008) meines letztjährigen Favoriten: Helle rote Früchte in der Nase, aber eher unangenehm bonbonartig. Im Mund sehr mild und säurearm. Keine Frische, kaum Gerbstoff wie noch im Vorjahr. Am Stand war Vertriebsleiter Herr Gerber sehr auskunftsfreudig und nahm sich Zeit, mir die verschiedenen Ausbauarten zu erläutern. Qualitätswein, Kabinett und Spätlese kommen ins 10.000l Holzfass, die Auslese ins 2.500l Fass. Die Erträge liegen etwa bei 90hl pro ha, erst ab dem Siegel Selektion liegen die Erträge unter 50 hl pro ha. Leider konnte ich keine Selektionsweine kosten. Ich probierte schließlich noch eine 2008 Ölberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken (€ 8,-): In der Nase deutliche Erbeernoten, diesmal angenehm ohne die Bonbonfruchtigkeit, am Gaumen wieder sehr mild. Danach eine 2007 Ölberg Spätburgunder Rotwein Auslese trocken (€ 12,-). Deutlich reife Frucht, in Mund mild und eine mittlere Länge, was ich bei dem Preis dann zu kurz finde. Herr Gerbers Ausführung über die Arbeit im Keller fand ich sehr aufschlussreich, die Weine hingegen überzeugten mich dieses Jahr nicht.

Später bewegte ich mich dann an die Verkostungstheke der WG Königschaffhausen (Kaiserstuhl).  “(B)egrüßt und bedient” wurde ich laut Prospekt von Herrn Mario Siegel, einem Meister der Gastlichkeit. Keine Frage brachte ihn in Bedrängnis und er wirkte sehr überzeugt von dem was er tat und dem geneigten Weinfreund ins Glase goss. Weil es tatsächlich acht verschiedene Weine waren, tut Beschränkung not, auch wenn sie nicht leicht fällt. Ich begann mit einem 2008 Steingrüble Spätburgunder Rotwein QbA trocken (€ 7,45). Dezente Noten roter Johannisbeeren, fein-spürbarer Gerbstoff, leichter Körper. Mild, mir zu mild am Gaumen. Die Erträge liegen für diesen Wein bei ca. 75 hl pro ha. Deutlich reduziert auf 50 hl pro ha sind die Selektionsweine, die zudem noch länger als zehn Monate ins Holzfass kommen.  Zunächst der 2008 Steingrüble Spätburgunder Rotwein QbA trocken Selection (€ 11,05). Ha! Endlich ein Wein, der mir richtig schmeckt.  Deutliche helle Beerenfrüchte wie Johannisbeeren, dazu Röstaromen. Eine feine, aber spürbare Säure, dazu präsenter Gerbstoff und eine Länge, die den Namen verdient. Sehr schön! Dann die 2007 Steingrüble Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken Selection (€ 14,20). Insgesamt reifere Frucht, wieder rote Johannisbeernoten und ein sanft stützender Gerbstoff, aber ein sehr milder Eindruck am Gaumen und wärmender Alkohol. Der nächste Wein war ein 2007 Steingrüble Spätburgunder Rotwein QbA trocken Barrique (€ 13,25). Das fruchtige Bukett eher elegant zurückhaltend als deutlich plump. Schöne Säure, feiner Gerbstoff, die Barriqueholznoten wenig aufdringlich. Mehr als mittlerer Nachhall. Dann wurde mir die Ehre zuteil einen Regnum kosten zu können: 2007 Regnum, Steingrüble Spätburgunder QbA trocken Barrique (27,55). Das Paradepferd des Hauses in den engen Pferch meiner Verkostungssprache zu zwängen, fällt mir schwer. Toller Nachhall! Eine Erfahrung!

Insgesamt fand ich die Königschaffhausener Weine am ansprechendsten von allen. Sie hatten Kraft, wirkten ausbalanciert ohne harmoniesüchtig zu sein und besaßen stets eine überzeugende Länge. Diese feine Vorstellung der Weine wurde sorgsam und kenntnisreich unterstützt von Herrn Siegel am Verkostungstisch. Die Genossenschaft ist erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Weingourmet „Die 800 besten Weingüter Deutschlands 2009“ und im Großen Johnson (Ausgabe 2004).