Spätburgunder im badischen Weinhaus Resch (Teil 3):

Die Affentaler Winzergenossenschaft Bühl (Ortenau) verzichtet auf Lagenbezeichnungen und vergibt eigene Reihen- bzw Qualitätsbezeichnungen, wie z. B. Primus oder SLK. Ich kostete den 2008 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken Primus (€ 6,80), den 2007 Spätburgunder Rotwein Qualitätswein trocken Barrique SLK (€ 12 & 85 Punkte bei Eichelmann 09) und die 2005 Spätburgunder Rotwein Auslese trocken Barrique SLK (€ 21,50). Eine sehr beredte und auskunftsfreudige Dame an der Verkostungstheke erklärte die diversen Zusatzbezeichnungen. Barrique bedeutet nicht nur 12 Monate Lagerung im kleinen Fass, sondern auch noch zusätzlich eine Flaschreife je nach Gusto des Kellermeisters. SLK steht für Erträge bei ca. 35 hl pro ha, was in ungefähr burgundischen Maßstäben entspricht. Außerdem müssen sich die Winzer für eine Teilnahme an SLK besonders qualifizieren. Diese Qualitfikation sei nicht allein durch besonders gutes Lesegut, sondern auch über entsprechende Weinbergarbeit übers Jahr zu erwerben. Für die Auslese seien die Erträge nocheinmal reduziert, also kleiner als 35 hl pro ha. Mir machten die Weine einen ambivalenten Eindruck. Sie wirken durchaus konzentriert, aber stets sehr mild und holzfasswürzig. Mir fehlen da Säure, Frische und Saftigkeit. Die Genossen werden erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Gault Millau 2009, Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009.

Eine weiteres Haus aus der Ortenau präsentierte sich mit der Durbacher Winzergenossenschaft. Mit raumgreifender physischer und verbaler Präsenz schenkte Herr Georg Glanzmann mir einen feinen Tropfen nach dem anderen ein. Insgesamt sechs Weine verkostete ich. Alle fand ich bemerkenswert. Der 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Kabinett trocken (€ 7,30) besaß durchaus Länge und ein angenehm spürbares Tannin mit leichten Bitternoten. Die 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken (€ 9,50) packte zu den üblichen Erdbeernoten noch Kirschfrucht hinzu bei reichlich feinem Gerbstoff. Hier keine Bitternoten. Sehr angenehm. Dann ein 2007 Pinot Noir Qualitätswein trocken (€ 7,20) im großen 600l Eichenholzfass ausgebaut, der Herrn Eichelmann 80 Punkte entlockte. Ich finde ihn sogar besser, wenn er auch eine alkoholische Wärme im Mund entfaltet. Gern vernommene Aromen von hellen und dunklen Johannisbeeren, Vanillenoten.

Herr Glanzmann, der selber als Winzer für die Genossenschaft arbeitet, suchte mich nun für die Paradepferde seines Stalles zu begeistern. Erst eine 2007 Kochberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken Barrique, dann eine 2005 Steinberg Cuvee (Lemberger, Merlot, Cabernet Sauvignon, Spätburgunder) aus ehemaligen Versuchsanbauanlagen und schließlich der 2008 Durbacher Diamant Kochberg Spätburgunder Rotwein Qba trocken. Letzterer ist ein Wein, der aus den jahrgangsbesten Qualitäten gekeltert wird und in nummerierte Flaschen in geringer Auflage gefüllt wird – für 2008 gibts 2828 Flaschen. Außerdem wird er nur in geeigneten Jahren bereitet und muss noch weitere Auflagen erfüllen. Alle drei Weine zeigen ein äußerstes Bemühen um Qualität. Stets schlägt diese sich in einer intensiven Frucht nieder und in einer Länge, die mich bei Diamant nahezu sprachlos machte. Ein leichter Wermutstropfen ist die alkoholische Wärme am Gaumen, die auf Kosten der Frische geht. Diesen Eindruck befördert dann vielleicht auch der im Vergleich zur Säure eher hohe Restzucker. Trotzdem waren die Durbacher Weine bisher meine absoluten Favoriten. Respekt! Die Genossen werden erwähnt in Eichelmann 2010, WeinPlus, Gault Millau 2009, Weingourmet: die 800 besten Weingüter in Deutschland 2009 und im Großen Johnson (2004).