Archives for posts with tag: Silvaner

Nachdem dreizehn° die Spargel-liebt-Silvaner-Aktion von Culinarium Bavaricum unterstützt, haben wir natürlich auch ein paar Silvaner probiert (und tun es immer noch). Knallhart repräsentativ ist die Auswahl nicht, denn unter den Kostproben sind auch ein paar 2010er Weine. Die Weindetails und Wertungen sind natürlich auch auf dreizehn° einzusehen.

Die Lichtbrechung im Glas verkleinert meine Nase: Danke Kay!
Die Lichtbrechung im Glas verkleinert meine Nase: Danke Kay!
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Ein Selbstversuch im Weinkellerclub im Trafokeller, Martin Luther-Str. 2 in München Giesing am Freitag, den 3. Dezember 2010.

Fünf Stufen hinab, durch einen schwarzen Filzvorhang hindurch, einen feuchten Kellergang entlang bis zur Klappkasse auf der Öltonne. Da lacht das Herz des einst subkulturell angehauchten Nachtschwärmers, der zwischen Arbeit und Familie nicht mehr viel Zeit findet für derartige Vergnügungen. Der Club selbst ist halbwegs geräumig. Ornamenttapete, preiswerte Kristalllüster, rotes Licht und zunächst unaufdringliche Jazz-Lounge-Mucke.

Die Bar im Weinkellerclub

Kay, mein 13-Grad-Kollege, hat mich zu diesem Selbstversuch eingeladen. In seinem Glas ist bereits ein 2008 Escherndorfer Fürstenberg Spätburgunder trocken vom Weingut Am Vögelein (Franken). Lustigerweise werden die Frankenweine auf der Karte und der großen Kreidetafel hier mit der Regionenangabe Bayern ausgezeichnet, was geographisch natürlich auch richtig, aber irgendwie doch irreführend ist.

Während er bereits seine erste Verkostnotiz in den Äther twittert, hole ich mir einen 2007 Pinot Blanc trocken der Domaine Schlumberger (Elsass). Fast alle Weine gibt es im 0,1 Glas. Das Sortiment dieses Clubabends, der heute zum dritten Mal stattfindet, wechselt.

Mit dem ersten Glas kalibriere ich meine Sinne, schließlich trinke ich Wein bisher eigentlich nur zuhause oder im Restaurant. Musik, Damen und bunte Lichter wirken also zunächst eher ablenkend vom Weingenuss, und ich vermag über diesen ersten Wein wenig zu sagen. Mit dem zweiten Glas kehrt etwas mehr innere Ruhe ein. Während ich einen 2008 Pinot Blanc Kabinett trocken vom Weingut Blankenhorn (Baden) probiere, testet Kay den 2007 Spätburgunder Jubiläum Barrique vom gleichen Weingut. Im Kontrast schmeckt mir dieser Weißburgunder besser. Die Frucht ist deutlicher und ein bissl mehr Restsüße hat er auch. Das Gegeneinanderprobieren ist im Weinkellerclub Programm. Neben vielen anderen Positionen gibt es heute drei Weinpaare die zu- gegen- oder miteinander probiert werden können: Zwei Pinot Blancs, zwei Grüne Veltliner und zwei Silvaner.

Inzwischen ist es gegen 22 Uhr, rund 80 Leute bevölkern das Gewölbe. Mehr Frauen als Männer und die meisten sind um die Dreißig. Ein, zwei ältere Paare, ein paar wilde Mädchen aus Franken und die Freunde des Türstehers Ben sorgen alterstechnisch für Abwechslung, getanzt wird trotzdem noch nicht. Um die Wartezeit bis dahin zu überbrücken, wechsle auch ich zum Rotwein. Zusammen mit Kay will ich den 2007 Sankt Laurent vom Weingut Reinisch (Thermenregion) probieren, doch der ist bereits aus. Der freundliche Gigant hinter der Theke schenkt uns deshalb ein Glas vom 2008 Ripasso Valpolicella Classico Superiore der Viticoltori Tommasi ein, der eigentlich nur flaschenweise verkauft wird. Das ist nett von ihm. Der Wein hat viel warme, breite Frucht bei mittlerem Druck und wenig Säure. Taugt mir gerade nicht, auch die Musik regt weiterhin niemand zum Tanzen an. Dafür kommt jetzt eine junge Dame vorbei, die eine kostenpflichtige Suppe in Glas mit Strohhalm anbietet. Das finde ich weniger appetitlich als das Brot, das hier in weißen Pergamentpapiertüten überall kostenlos zur Verfügung steht.

Die DJs bemühen sich nun redlich, Tanzbares wird serviert. Die Stimmung wird ausgelassener, aber auch die Weintrinker und Weintrinkerinnen tanzen nicht vor elf Uhr. Ich will zwar hüpfen, aber um der Erste zu sein fühle ich mich heute nicht hemmungslos genug. Schließlich ist das hier ein wissenschaftliches Experiment. Wir ordern ein neues Glas und sind hocherfreut über den 2009 St. Valentin Silvaner trocken der Winzergenossenschaft in Sommerach. Zunächst Zitrisches, dann aber auch reifere, gelbfruchtige Noten bei angenehmer Säure und der Milde, die der Rebsorte zueigen ist. Für Kay ist es das letzte Glas, er strebt nun heimwärts, während ich noch auf ein Tänzchen spekuliere.

Nach einer Mutzigarette draußen kehre ich zurück in den Keller und bin erfreut, denn endlich regen sich hier Glieder zu Stax-Soul und anderen Gassenhauern. Rein ins Vergnügen! Zur Erfrischung nach schweißtreibendem Tanz folgt dann noch ein Großes Gewächs, 2007 Schloßberg Silvaner trocken des Fürstlich Castellschen Domänenamtes (Franken). Das ist natürlich zu diesem Zeitpunkt Perlen vor die Säue, denn seine Reife, Würzigkeit und Länge überfordert meinen Gaumen, der jetzt eigentlich etwas knackig Frisches bräuchte. Weil nun auch die Gläserverwechselungsgefahr auf den wenigen Tischen steigt, beschließe ich den Abbruch des Experimentes. Mir hat es Spaß gemacht. Dufte Weine, ordentliche Musik, nette Leute und eine überzeugende Mannschaft. Komme ich wieder? Ja. Wein und Disco? Geht prinzipiell prima, aber zum Tanzen trinke ich kein Großes Gewächs mehr.

Mehr Infos zum Weinkellerclub sowie Bilder vom Abend (im Sommer) auf der Website vom Culinarium Bavaricum.